Druckschrift 
Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

man versucht, ein ganzes Buch zu schreiben über alle Einzel-heiten, zu deren Erörterung das Werk die lebhafteste Anregunggiebt, und nach diesem ersten Buch wäre man wahrscheinlichgenöthigt, noch ein zweites zu schreiben.

Dem großen Publikum wird Wohl den schärfsten Eindruckzunächst machen, was an altbekannten Antipathien hier miterneuter Heftigkeit losgelassen wird, trotz dem sichtlichen Bemühen,sich die abgeklärte Mäßigung des Zurückgezogenen aufzuerlegen.An der Spitze der mit tödtlicher Feindschaft bis zum letztenAugenblick Gehaßten steht die Kaiserin Augusta. Bis auf dieletzte Seite kann dieser Grimm nicht zur Ruhe kommen. Manwußte wohl reichlich viel von dieser Gegnerschaft, aber von derPermanenz, von der Tiefe und Gewalt, die sich hier zeigt,ahnten die Wenigsten etwas. Die Größe und Ausdauer diesesKampfes läßt die Persönlichkeit der verstorbenen Kaiserin ineiner Dimension erscheinen, die man ihr Wohl sonst nicht zugetheilthaben würde. Sie mußte doch eine ungewöhnliche Kraft desGeistes und des Willens besitzen, um zu solchem Gegendruckherauszusordern, der nie ganz siegreich wurde. Wenn auch Bis-marck in der Sache selbst immer das Recht so auf seiner Seitehaben mochte, wie er es schildert, so kam, um die bodenloseTiese seiner Antipathie zu erklären, doch noch Etwas, die Grund-verschiedenheit der ganzen Lebensanschauung, hinzu, etwa wiein seiner Feindschaft gegen Gladstone. Zu seinen monarchischenGefühlen liefert weniger dieser persönliche Krieg selbst als dieArt, wie er über ihn berichtet, einen besonderen Kommentar.Doch dies ist ein Kapitel, welches in der Besprechung von VuschsBänden seinen richtigen Platz finden wird. Gegen Ende deszweiten Bandes vervollständigt Bismarck noch einmal die sicht-liche Anstrengung, seine, in der Anspielung auf Kaiser WilhelmsSchwäche gegen Weiber und Freimaurer recht bedrohte monar-chische Gesinnung mit einer Apotheose für seinen Kaiser selbstzu vergolden. Man merkt sehr die Absicht. Die Wahrheit isteben die: Bismarck war ein strammer Royalist, solange es galt,zwischen ihm nnd Allen andern, für den König einzustehen. Nurwenn es sich um ihn selbst handelte, zwischen ihm und demKönig allein, wechselten die Empfindungen. Da wich Alles dem

»»^I