Druckschrift 
Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

L0

eben zur Erfüllung seiner Lebensausgabe und, soweit erdazu nöthig war, war er echt, unter Umständen heroisch.Im Laus der Zeiten war er durch die Reibungen mitdem Monarchen und gar noch mit den übrigen deutschenFürsten , die doch eigentlich an Gottesguadenthum gleichwerthigsein mußten, zersetzt worden, umgekehrt, wie es mit seinemDeutschthum ging.

Ursprünglich war er nnr preußisch und geradezu antideutsch.In dem Maße, als seine Lebensaufgabe sich steigerte und er-weiterte, hob er sich über das Preußische zum Deutschen hinauf.Wie oft ist später derselbe Mann, der einst die schwarzweißeFahne für die einzig erlaubte erklärt hatte, gegen den preußi-schen Partikularismus zu Felde gezogen! Und so ging es mitden meisten Dingen. Bald spottet er im Stillen über denFürstenpöbel" (tlls priueelz- iriod im englischen Text), baldsind ihm die deutschen Fürsten die einzigen Patrioten, die errühmend dem Reichstag als Exempel vorhält, natürlich, wennder Reichstag ihm nicht folgen will, mährend die fürstlichenMinister vor ihm zittern. Wenn er gegen den preußischen Parti-kularismus loszieht, sind es vor Allem dieGeheimen Räthe", dieseine Nerven reizen. Thörichter Weise hat die sich an dieserKritik ergötzende Menge ihm oft dabei zugejubelt. Aber wasihn gegen diese Geheimen Räthe ausregte, waren nicht ihreMängel, sondern ihre Vorzüge, die sachliche Strenge der altengewissenhaften Bureaukratie, welche die Dinge nicht nach seinemjeweiligen Belieben, sondern nach der Natur ihrer Ausgabe be-handeln wollte. Daher seine Angriffe gegen denRessort-patriotismus", wie er in den Parlamenten nur Fraktionspolitikerblickt. So sah und sühlte er jeweils das vvn ihm fürrecht und nützlich Erachtete als kategorischen Imperativ.Aus demselben Wege gelaugt er iu denErinnerungen"auch zu der interessanten Digression über den im deutscheuVolk herrschenden Partikularismus, den er mehr aus derAnhänglichkeit an die Dhnastien als aus der landschaftlichenEigenliebe ableitet eine Behauptung von zweifelhafterNichtigkeit. Wie stimmt dazu u. a. der Frankfurter, derHamburger Partikularismus?