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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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IV.

Die Menschheit macht sich von der Art, wie geniale Staats-umwälzcr sich mit ihren Objekten identifiziren, eine ihrem ideali-sirenden Bedürfniß entsprechende Vorstellung. Man sollte sichimmer an das Prototyp des ersten Napoleon erinnern. In derZwischenzeit zwischen seinem italienischen Feldzug und demachtzehnten Brumaire hatte er sich mit der Idee erfüllt, Europa hinter sich zu lassen und ein großes orientalisches Reich zustisten. Seine südliche Phantasie hatte es ihm in bunten Farbenim Kops ausgebaut. Das hinderte ihn nicht, später, und be-sonders in St. Helena, von dem Frankreich zu redeu, das erüber Alles liebe." Gewiß ist Bismarck aus einem engenPrenßen ein guter Deutscher geworden, und seine Natur warecht deutsch , wenn auch noch etwas Anderes aber doch nichtzum Wenigsten auch deshalb, weil die Entfaltung seines Geniesein großes Deutschland brauchte. Das hindert nicht, daß Deutsch-land , wenn man Werth daraus legt, ihm auchdankbar" seinsoll. Die Statuen, die es ihm errichtet, hat er um es verdient;die Könige von Preußen schulden ihm den Dank für die Größe,zu der er ihrer Monarchie verholfen hat. Aber der Einblick inden organischen Zusammenhang der Dinge, ja die Versöhnungzwischen den Widersprüchen im Kleinen und deu Leistungen imGroßen löst sich aus bei dieser richtigen Vertheilung von Lichtund Schatten. Nicht aus seinem Verlangen nach einem großenDeutschland ist der Impuls zu seiner großen Schöpfung ent-sprungen, sondern aus seinem Impuls zu großen Thaten istdas Objekt seines Verlangens immer größer geworden. DieBeseitigung der Hindernisse hat die Grenzen seines Wollensimmer weiter hinausgeschoben. Sein Preußcnthnm stieß zuerstaus das Hinderniß der österreichischen Vormacht. Diese zu brechen,mußte er ein positives Gegenziel haben. Dies tonnte keinAnderes sein als Deutschland . Ebenso ging es mit dem HindernißFrankreich. Frankreich hatte sich in den Kopf gesetzt, Deutsch-land dürfe nicht ein starkes Reich werden. Dadurch war auchder Sieg über Frankreich, die Erhebung Deutschlands zur erstenMacht des europäischen Westens unvermeidlich. Die Konse-