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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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jetzt minder dramatisch als in der landläufigen; so besondersdie beiden großen Szenen mit dem König auf der Fahrt vonJüterbog nach Berlin nnd in Babelsberg. Umgekehrt ist die Er-zählung der großen Szene in Nikolsburg ergreisender, als diebisherigen Schilderungen sie wiedergaben. Die Episoden derEmser Depesche und die Enthüllung über den russischen Rück-Versicherungsvertrag bedürfen separater Behandlung.

Zu , dem merkwürdigsten Theil gehören die Berichte überBismarcks Entwicklungsgang von früher Jugend an, sein starkesreflektirendes Innenleben, feine reifenden Anschauungen, seineallen, auch adligen, Vorurtheilen abgewandte Gesinnung; sodannsein früh anfangendes intimes Verhältniß zu Friedrich Wilhelm IV. und die Anerkennung seiner Persönlichkeit bei diesem uud seinerUmgebung. Das hinderte nicht, daß der Hof, wie das Publikum,vor der gewaltsamen Neigung und dem Ungestüm des Tempe-raments zurückscheuten. Er spricht selbst von seineralten Re-putation leichtfertiger Gewaltthätigkeit bei Hose", die ihn allzusehr der Lust am Dreinschlagen bezichtigt habe.

Die Masse des Stoffes, die seltene Kunst der Darstellungist, wie schvu gesagt, in einer ersten und überhaupt in einerBesprechung nicht zu erschöpfen. Der Haupteindruck bleibt immerbis zum Schluß: das Werk steht auf der Höhe der geistigenPotenz dieses Mannes, der, wie je ein Sterblicher, die Fehlerfeiner Vorzüge, aber in höchstem Maße auch die Vorzüge seinerFehler hatte, der Deutschlands Schicksal mit seiner ganzen Kraftzu hohem Ziel geleitet und sich in seinen Thaten einen erstenPlatz in der Geschichte aus seine ihm ganz eigene Weise er-obert hat.

II.

Obwohl sechs Monate vor Bismarcks Tode erschienen, ver-dient die Broschüre Christoph von TiedemannsPersönlicheErinnerungen an den Fürsten Bismarck"*) unter den neuesten,

*) Leipzig bei Hirzcl 189L.