Druckschrift 
Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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zu dessen Charakteristik gemachten Aufzeichnungen eine dank-bare Erwähnung. Die kleine, nur fünfzig Seiten umfassendeSchrift enthält die Wiedergabe eines im November 1897 zunächstfrei gehaltenen, aber nachträglich mit einigen Ergänzungen ver-sebenen Portrags. In ihrer anspruchslosen Haltung liegt etwasAnziehendes. Der Vortragende ist ein durch seinen dienstlichenPerkehr mit dem Kanzler liebe- und verebrungsvoll für ihn ge-stimmter Anhänger, und gerade diese offen zur Schau getrageneErgebenheit wird durch das Medium eiues aufrichtigen Beob-achters zu einer Leistung, welche iu wenigen nur skizzenhafthingeworfenen Zügeu einen dennoch nicht einseitigen Beitragzur Charakterisirung ihres Helden liesert.

Bismarck war für die Menschen seiner nächsten Umgebungin seinen Manieren gewinnend. Man weis;, wie dankbar denGroßen der Welt, seien sie es durch ihre Geburt oder durch ihrGenie geworden, sedes freundliche Perhalten angerechnet wird.Was unter Gleichen nur gute Lebensart wäre, wird hier zurboldeu Liebenswürdigkeit. Wird die menschliche Behandlungnun gar mit der Geschicklichkeit und Grazie, wie sie Bismarckzu handhaben verstand, geübt, so bezaubert sie natürlich mitverdoppelter Gewalt. Unter diesem Zauber steht auch Herrvon Tiedemann, wenn schon er im Laus der Zeiten manchenSturm erleben mußte. Bismarck konnte, wenn er wollte, einenvon ihm Empfangenen mit Liebenswürdigkeit in Beschlag nehmen,besonders durch den Ton übersprudelnder Pertraulichkeit, den erleicht auschlug. Er war, was man in Frankreich un suMsur"nennt. Im landläufigen Perkehr beobachtete er aufmerksam diePvrschristen ritterlicher Höflichkeit. Man könnte an ihm denUnterschied zwischen dem Kavalier und dem Mann von Edel-sinn studiren. Nach dieser Seite hin war er nicht angekränkelt.Tiedemann selbst erzählt uns die hübsche Anekdote, wie Bismarckihm eines Morgens sagt, er habe die ganze Nacht gehaßt, undwie er daran eine Apotheose des Hasses als fruchtbaren Ele-ments, wenigstens der Liebe gleiches, knüpft. Seine Liebekonzentrirre sich auf die ihm Nächsten, die ein Stück seiner selbstwaren und solidarisch zu seiner Selbstverteidigung gehörten,die Familie. Busch erzählt im dritten Bande, wie oft Bücher