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man ihnen anhaben kann, desto verdächtiger sind sie. Manchmalgeht es bis zum Aberwitz, z. B. wenn General v. Stosch alsvon Thiers gekauft beschuldigt wird. Allerdings mnß manunterscheiden zwischen dem, was ausdrücklich in Umlauf gesetztward, und dem, was nur im Moment hinausgeschleudert wurde,bald um so nebenbei dem Hörer eine Meinung beizubringen,bald auch uur um der übermüthigen Anwandlung Luft zumachen. Alles ohne Unterschied hat Busch aufgeschrieben, alstreuer Diener seines Herren! Das Schlimmste ist wohl aufRechnung der ungezähmten Lästerzunge zu setzen. Bismarckhatte so recht, was man sagt, ein mechantes Mundstück. Erhatte immer einen malitiösen Gedanken aus der Zunge, und waser aus der Zunge hatte, konnte er im unbewachten Augenblicknicht hinunterschlucken, im bewachten um so besser. Busch, desseunaiver Cynismus ein dem Original für solche Zwecke wohl an-gepaßter Spiegel ist, berichtet unzählige Male, wie er rektifizirtwurde, weil er in seinem Diensteifer wörtlich das verbreitete,was der „Chef" zwar in Wirklichkeit geäußert hatte, aber dochspäter bedenklich sand, wenn es gedruckt dastand. Trotzdem erein Junker war, hatte er gar keine aristokratischen Vornrtheile.Er kannte nur einen Unterschied zwischen den Menschen: ob siesich ihm anpaßten oder nicht: daher war er Jedem gegenüber,wenn er ihn nicht als verdächtigen Feind behandelte, rückhaltlosgesprächig und unbedacht, seinen kaustischen Witz anzudringen.Das war sozusagen ein reiner Sport für ihn. An einem seinerSamstag-Abende saß ich einmal neben ihm aus dem Svpha.Ein Herr tritt grüßend ein und schreitet an ihm mit ehrfurchts-voller Verbeugung vorüber. „Ist das nicht Staatssekretär vonThile?", fragte ich ihn. „Ich hab' es schaudernd selbst erfahren",antwortete er mir leise. Wir hatten uns im Uebrigen gar nichtmit dem Mann beschäftigt. In anderen Fällen lief freilichBerechnung mit unter. Eines Tages, es war zufällig auch einSamstag, hatte ich Stephau wegen feiner Leistungen in derOrganisation der Feldpost im Reichstage gelobt. Als ich desAbends zum großen Empfang kam, nahm mich Bismarck beiSeite: „Sie haben mir heute Stephan zu sehr gelobt, der Mannist ohnehin zu eitel. Eitelkeit ist wie eine Hypothek auf ein