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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
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und da aller Wahrscheinlichkeit noch am konkreten Zweck undbesonders au der Erreichung der Absicht. Aber die Gewohnheit,über Alles seine eigene Auffassung zu haben und sie auch zurGeltung zu bringen, will ununterbrochen in Fluß bleiben.Vielleicht trug auch der Umstand dazu bei, daß zu dieser Dienst-leistung immer so viele Federn bereit gehalten wurden und be-schäftigt werden mußten, um nicht müßig zu gehen und einzu-rosten. Die Bucher, Busch und Konsorten wurden doch bezahlt,und Verschwenden war Bismarcks Sache nicht. Sie solltcu auchdafür arbeiten. Dabei lief Großes und Kleines bunt durch-einander. Bald galt es, weitseheude politische Kombinationenzu skizziren, bald Hofklatsch zu durchkreuzen. In dem Man,als er in seiner inneren Politik aus Widerstand stieß, wurdedas Preßtreiben immer heftiger. In den achtziger Iahrenward es manchmal den getreuen Bucher und Busch selbst zuviel. An falschem Verdacht und falscher Beschuldigung ist keinMangel. Die meisten derer, die in diesen drei Bänden genanntwerden, kommen schlecht weg. Im Ganzen hat man den Ein-druck: aller Menschen Feind uud Gottes Freund. Mit seinemPrivatgvtt kann man sich ja abfinden, wie man will; man stelltihn immer aus die eigene Seite. Mit der Frömmigkeit dergroßen Gewaltsmenschen Eromwell, Philipp II. ist es ein eigenesDing. Auch Bismarcks Gottesfurcht gehört dahiu. Mit denMenschen schlagen sie sich draußen herum; mit ihrem Gott ver-ständigen sie sich in ihrem stillen Kämmerlein. Niemand istdabei, und der Gott protestirt uicht. Busch selbst beschäftigtsich öfter mit der Frage, wie es wohl aus dem Grunde mitBismarcks Glauben stehe. Die Autwort vermag er natürlichnicht zu geben. In dem srühercn WerkUnser Reichskanzler"ist dem Gegenstand ein besonderes Capitel gewidmet.

Mißtrauen nach allen Seiten, und vom Mißtrauen zumleichtsinnigen Verdacht ist nur ein Schritt. Selbst die eigenenWerkzeuge entgehen dem Schicksal nicht. Von Braß, demRedakteur derNorddeutschen Allgemeinen-Zeitung", dem ab-trünnigen Kommunisten, wird mehrmals behauptet, er lasse sichgleichzeitig von Louis Napoleon bestechen. Wenn man das seineneigenen Schergeu zutraut, was erst seinen Gegnern! Je weniger

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