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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Grunde auch selbst seine nicht kritiklosen Bewunderer an ihmirre machen können. In der Hauptsache steht die Größe seinerPersönlichkeit nicht auf dem Postament psychologischer Werth-schätzung, sondern vollzogener Thatsachen. Was unter seinerFührung geworden und wie es geworden ist, das ist es, wasihn zu einer Heroengestalt geschaffen hat. Wieso und warum,ob mit Recht oder Unrecht, ja, ob er Alles, was man ihm zu-schreibt, wirklich so vollbracht oder nur in letzter Form vollendethat, das Alles ist nebensächlich. So, wie es nach außen in derGeschichte dasteht, muß es behalten werden. Alles hinterher-kommendc Wenn und Aber fällt dagegen ohnmächtig zu Boden.Wird doch sogar die Legende eine Wirklichkeit, wenn sie sich festin die Vorstellung der Menschen eingewurzelt hat. Moses, Buddah,Mahomed vou Anderen nicht zu reden sind rückwirkendlebendig geworden, so wie die Legende sie gestaltet hat, und dieSchweizer haben recht gethan, sich ihren Wilhelm Tell und seinGeschoß nicht von den Philologen nehmen zu lassen. Die i^dleeouveuus steht über der Thatsache . Hu'sst ee qu'il z- a ckesilus meprisÄdls cju'uii kg.it! lautete der Ausruf des Philo-sophen Royer Collard.

Was sich am meisten ausdrängt beim Einblick in Bismarcksgeheime Werkstätte, ist sein unablässiges, rastloses Bemühen, dieöffentliche Meinung zu bearbeiten. Man wußte das schon ausalteren Enthüllungen, z. B. den vier Bänden der FrankfurterBriefe, die Poschinger bei Weitem sein Werthvollstesherausgegeben hat. Busch hat das nun vollends ins Kleinsteaufgehäuft. Es ist ja scheinbar viel Untergeordnetes dabei, aberwas ist nebensächlich in solchem Stoff! Man staunt über diesenruhelosen Geist, der nach allen Seiten hin das Denken derMenschen zu beeinflussen bemüht ist. Nichts ist ihm zu klein,nichts zu weit abgelegen, um es unbesprochen, unerwidert zulassen. Wie bei Allem, was aus lebhaftem Impuls hervorquillt,fehlt nicht selten eine eigentliche Zweckmäßigkeit; man vermagnicht wohl zu ermessen, warum irgend eine Erscheinung, z. B.in den Sitten fremder Völker, die mit der deutschen Politiknichts zu schaffen hat, zum Gegenstand einer Beleuchtung inder Presse gemacht wird. Und es fehlt auch thatsächlich hier