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falsch auf den Krieg gegen das Papstthum und den Frieden mitdemselben ausdehnen will, was bleibt da noch übrig, um nichtrelativ zu sein! Schon Andere haben vor Bismarck diesemPrinzip der Prinziplosigkeit gehuldigt.
Paris vnut dien uns MS88S. Der französische König hates auch ein andermal noch ausführlicher sormulirt, daß eingroßer Herrscher einmal das Eine, ein andermal das Anderevertreten müsse, je nach dem souveränen Gesetz der Zeiten.Bismarck hat denselben Gedanken so oft variirt, das; er eine ArtGeineinplatz geworden ist. Seine blinden Nachbeter warengezwungen, sich ihn anzueignen. Er hatte einen merkwürdigenInstinkt dafür, was man den Menschen bieten und wie man sieumstimmen könne. Das Meisterwerk war ja der „Bruderkrieg"zwischen Deutschen . Welch ein Schaudern war noch im Mai 1866in der großen Zahl, uud dann welche Bekehrung in beinaheallen Reihen! Mit dem Schutzzoll auf Getreide ging es inverjüngtem Maße ebeuso. Die Erfindung, wie man den Vanergegen den Städter mobil machen könne, war sein Werk. Anchdie Untergrabung des Liberalismus durch die Sozialdeinokratiehat er deutlich ins Auge gesaßt, wenn schon die Durchführungnicht ganz nach seinem Plan gelang. Das Stärkste war immer-hin die Evolution vvm 5tulturknmps zum Frieden mit demUltramontanismus. Nur wer die Zeiten vor dreißig Jahrenmiterlebt hat, kaun dies im vollen Maße würdigen. Damalswar der protestantische Eifer gegen den Katholizismus die Quint-essenz der Bismarckbegeisterung sür ganze große Gebiete Deutsch-lands . Wie viele Pastoreu hielten zu meinem in diesem Punktso unvollkommenem Subjekt nur darum, weil ich überhaupt mitBismarck ging. Und das Merkwürdigste war, daß ihm nichtschadete, als er aus die entgegengesetzte Seite trat. Er wußte,welch ein armes Ding die Logik ist, wenn die Macht der That-sachen sie nicht anerkennt.
Wer sich als einen solchen Birtnosen in der Kunst derMenschenbeherrschung bewährt hat, der kann schon als Zeugedasür gelten, daß es keine Redensart ist, wenn behauptet wird,die Tagespresse sei die größte Macht des Tages. Auch Napoleou,zu dessen Zeiten sie noch in den Kinderschuhen steckte, war unab-