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Aus der Geschichte der englischen Kornzölle / von H. B. Oppenheim
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war bereits veraltet; jede ansehnliche Stadt, die einen Kornmarkthatte, sollte künftig herangezogen werden. Es hatte sich beiallen hier einschlägigen Berechnungen viel Betrug eingeschlichen,zumal es ja den Kornhändlern Vortheil brachte, die Preise mög-lichst emporzuschrauben.

Die Parteien blieben bewaffnet gegen einander stehen, diealten Parteien in den alten Positionen; nur die League machte,wie die parlamentarischen Abstimmungen erwiesen, von Jahr zuJahr sichere Fortschritte. Das Jahr 1842 brachte in England eine reiche und auf dem Continent gute Ernten. Die Kornfragezeigte sich damals von einer neuen Seite, nämlich im Zusammen-hang mit dem britischen Colonialsystem. Die Landesvertretungvon Canada petitionirte um die freie Zulassung ihres Getreidesin Grofsbritannien. Die Regierung zeigte sich nicht abgeneigt,fürchtete jedoch, falls nicht Canada einen Eingangszoll auf Ge-treide und Mehl aus den Vereinsstaaten legte, das Mutterlandüber Canada mit amerikanischen Lebensmitteln «überschwemmt?zu sehen. Die Canadier gingen darauf ein und bequemten sich zueinem Zoll von 3 sh. per Quarter an ihrer amerikanischen Grenze.*)Das «Land-Interesse» schlug Lärm, aber auch im Oberhaus ge-wann das Colonial-Amt die Majorität für eine Mafsregel, welchein der That in das alte System Bresche legte.

Ein interessantes Manöver wurde seit dem Jahre 1844 vonder League ausgeführt. Ihre Stimmen im Unterhause nahmen,wie schon erwähnt, mit jeder Session zu, und sie konnte daraufrechnen, sich bei den nächsten allgemeinen Wahlen noch ganzanders zu verstärken. Die Stärke ihrer Gegner lag in den Graf-schaftswahlen, und bei diesen wurde das Land-Interesse noch ge-stützt durch die sogenannte Chandos-Clausei der Reform-Akte,welche die nach Willkür entlassbaren Pächter (tenants-at will)unter leichten Bedingungen mit dem Wahlrecht ausstattete und esalso den grofsen Landeigenthiimern ganz bequem machte, aufkurze Zeit Wähler zu schaffen. Dem gegenüber warfen sich dieMänner der League auf ein genaues Studium der städtischenWahllisten und fanden ihr Heil in der sogenannten «Fourty-shil-ling-freehold-clause». Sie verschafften den Arbeitern und kleinen

*) Aufserdem erhob noch die englische Douane 1 sh. Zoll vom CanadischenGetreide-Import.

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