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Aus der Geschichte der englischen Kornzölle / von H. B. Oppenheim
Entstehung
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und dennoch sind beide wörtlich aufrecht zu halten. Man rnufssich nur immer vergegenwärtigen, dafs Theuerung und Wohl-feilheit, hohe und niedrige Preise, die Wirkung entgegengesetzterUrsachen sein können. Der hohe Preis kann die Folge desWaarenmangels sein oder des starken Consums. Im ersterenFall übersteigt der Preis die Kaufkraft des Consumenten, imanderen Fall bezeichnet er einen Fortschritt des- allgemeinenWohlstandes. Ebenso kann auch der niedrige Preis aus ver-schiedenen Ursachen hergeleitet werden: wenn er vom Ueberflufsder Waare kommt, ist er eine Wohlthat für Alle, aber er kannauch mit der abnehmenden Kaufkraft Zusammenhängen. Nunbehaupte ich, dafs die Monopole und die Plandelsbeschränkungenjene Theuerung schaffen, welche der Seltenheit der Waare zu-zuschreiben ist; während die Handelsfreiheit eine Theuerungschaffen wird, welche mit der erhöhten Consumtionsfähigkeitzusammenhängt. Ebenso können die Zollbeschränkungen wohlauch den Preis drücken, aber nicht durch den Ueberflufs derWaare, sondern durch die Verarmung der Käufer. Die ersteTendenz der Korngesetze geht dahin, die Quantität zu mindern;dadurch erhöhen sie allerdings den Preis. Aber dadurch ver-mindern sie auch die industrielle Productivität, dadurch die Con-sumtionsfähigkeit der Bevölkerung und drücken somit schliefslichdoch auf die Kornpreise selbst. Indessen hat der Pächter einenPachtvertrag unterzeichnet, welcher auf den Anfangs hohen Preisberechnet war; aber im Verlauf der Dinge ruiniren die Korn-gesetze die industrielle Arbeit und deren Ruin wirkt auf diePächter zurück.

«Nehmen wir dagegen das System der Handelsfreiheit.Anfangs würde die freie Einfuhr die Preise drücken; aber mitdem zunehmenden Angebot wird die Arbeit zunehmen, dieBeschäftigung in den Werkstätten und auf den Handelsschiffen,an und auf den inneren Verkehrslinien wachsen, und damit würdedie Nachfrage nach den Lebensmitteln sich enorm steigern. Mansieht daraus, dafs es keine absoluten Preise giebt, sondern nurrelative. Wenn man uns fortwährend einwendet: «Was machtdenn für den Einzelnen ein Pfennig mehr oder weniger amPfund?» so übersieht man, dafs es nicht sowohl auf den Preisselbst ankommt, sondern auf die Waarenmenge, die zu diesemPreise in Circulation tritt.