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Meine Londoner Mission 1912-1914 / von Lichnowsky. Mit einem Vorw. von Otfried Nippold
Entstehung
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seine koloniale Entwicklung nicht missgönnen) sagte mir ein Mitglieddes Kabinetts.

Der Kongostaat sollte auf britische Anregung ursprünglich auchin den Vertrag einbezogen werden, was uns ein Vorkaufsrecht unddie Möglichkeit gegeben hatte, ihn wirtschaftlich zu durchdringen.Angeblich mit Rücksicht auf belgische Empfindlichkeiten lehntenwir aber dieses Angebot ab! Vielleicht sollte mit Erfolgen gespartwerden ? Auch hinsichtlich der praktischen Verwirklichung des eigent-lichen unausgesprochenen Zweckes des Vertrages, der späteren tat-sächlichen Teilung des portugiesischen Kolonialbesitzes bot die neueFassung wesentliche Vorteile und Fortschritte gegen die alte. Eswaren nämlich Fälle vorgesehen, die es uns ermöglichten, zur Wahrungunserer Interessen auf den uns zugewiesenen Gebieten einzuschreiten.Diese Voraussetzungen wurden so weit gefasst, dass es eigentlich unsüberlassen blieb, selbst zu bestimmen, wennvitale Interessen Vor-lagen, so dass es bei der völligen Abhängigkeit Portugals von England nur darauf ankam, die Beziehungen zu England weiter zu pflegen,um mit englischer Zustimmung unsere beiderseitigen Absichten späterzu verwirklichen.

Die Aufrichtigkeit der britischen Regierung in ihrem Bestreben,unsere Rechte zu achten, zeigte sich darin, dass Sir Ed. Grey , nochehe der Vertrag fertiggestellt oder unterzeichnet war, englische Unter-nehmer, die m dem uns durch den neuen Vertrag zugewiesenen Ge-bieten Kapitalanlagen suchten, und dafür die britische Unterstützungwünschten, an uns verwies, mit dem Bemerken, dass das betreffendeUnternehmen in unsere Interessensphäre gehöre.

Der Vertrag war schon zur Zeit des Königsbesuches in Berlin ,also im Mai 1913, im wesentlichen fertig. In Berlin fand damals unterdem Vorsitz des Herrn Reichskanzlers eine Besprechung statt, an derauch ich teilnahm, und bei der noch einzelne Wünsche festgelegtwurden. Bei meiner Rückkehr nach London gelang es mir mit Hilfedes Botschaftsrats, Herrn von Külilmann, der mit Mr. Parker dieEinzelheiten des Vertrages bearbeitete, auch unsere letzten Vor-schläge durchzusetzen, so dass der ganze Vertrag schon im August1913, vor Altritt meines Urlaubs, von Sir Ed. Grey und mir para-graphiert werden konnte.

Nun sollten aber neue Schwierigkeiten entstehen, die die Unter-zeichnung verhinderten, und erst nach einem Jahre, also kurz vorKriegsausbruch, konnte ich die Ermächtigung erhalten zum end-

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