gültigen Abschluss. Zur Unterzeichnung aber ist es nicht mehr ge-kommen.
Sir Ed. Grey wollte nämlich nur unterzeichnen, falls derVertrag mitsamt den beiden Verträgen von 1898 und1899 veröffentlicht würde. England besitze sonst keine ge-heimen Verträge, und es sei gegen die bestehenden Grundsätze,bindende Abmachungen zu verheimlichen. Er könne daher keinenVertrag eingehen, ohne ihn zu veröffentlichen. Über Zeitpunktund Art der Veröffentlichung sei er aber bereit, unseren WünschenRechnung zu tragen, vorausgesetzt, dass die Veröffentlichung inlängstens Jahresfrist nach Unterzeichnung erfolge.
Im Auswärtigen Amt aber, wo meine Londoner Erfolge zu-nehmendes Missvergnügen erregten, und wo eine einflussreiche Per-sönlichkeit, die die Rolle des Herrn von Holstein spielte, den Londoner Posten für sich in Anspruch nahm, erklärte man, die Veröffentlichunggefährde unsere Interessen in den Kolonien, da die Portugiesen unsalsdann keine Konzessionen mehr geben würden.-
Hie Nichtigkeit des Einwandes erhellt aus der Erwägung, dassder alte Vertrag den Portugiesen höchst wahrscheinlich ebenso längstbekannt war, wie unsere neuen Abmachungen, angesichts der Intimitätder portugiesisch-englischen Beziehungen, und dass bei dem Einfluss,den England in Lissabon besitzt, die dortige Regierung einem deutsch-britischen Einverständnisse gegenüber völlig willenlos ist.
Es galt also, einen anderen Vorwand zu finden, um den Vertragscheitern zu lassen: Hie Bekanntgebung des Windsorvertrages, derzur Zeit des Pürsten Hohenlohe geschlossen wurde, und der nur eineErneuerung des niemals ausser Kraft getretenen Vertrags Karls II. war, könne die Stellung des Herrn von Bethmann Hollweg gefährden,als Beweis britischer Heuchelei und Perfidie!
Ich wies darauf hin, dass die Einleitung zu unseren Verträgenganz dasselbe besage, wie der Windsorvertrag und wie andere ähnlicheVerträge, nämlich, dass wir die souveränen Rechte Portugals wahren,und die Unversehrtheit seines Besitzes schützen wollten. Vergebens!Trotz wiederholter Unterredungen mit Sir Ed. Grey, . bei denen derMinister immer neue Vorschläge machte, für die Veröffentlichung,beharrte das Auswärtige Amt auf seinem Standpunkt, und verabredeteschliesslich mit Sir Ed. Goschen, dass alles so bleiben sollte, wie esbisher gewesen!
Her Vertrag, der uns ausserordentliche Vorteile bot, das Ergebnis
22