Haltung des Amtes.
Die Wut gewisser Herren über meine Londoner Erfolge und überdie Stellung, die ich mir in kurzer Zeit machen konnte, war unbe-schreiblich. Schikanöse Erlasse wurden ersonnen, um mein Amt zuerschweren; ich blieb in völliger Unkenntnis der wichtigsten Dingeund wurde auf die Mitteilung belangloser, langweiliger Berichte be-schränkt. Geheime Agentennachrichten über Dinge, die ich ohneSpionage und die nötigen Fonds nicht erfahren konnte, waren mirniemals zugänglich, und erst in den letzten Tagen des Juli 1914erfuhr ich zufällig durch den Marine-Attache die geheimen englisch-französischen Abmachungen über das Zusammenwirken beider Flottenim Falle eines Krieges. Auch andere wichtige und dem Amt längstbekannte Vorgänge wie der Briefwechsel Grey-Cambon wurden mirvorenthalten.
Kriegsfall.
Ich hatte bald nach meiner Ankunft die Überzeugung gewonnen,dass wir unter keinen Umständen einen englischen Angriff odereine englische Unterstützung eines fremden Angriffes zu befürchtenhätten, dass aber unter allen Umständen England die Fran-zosen schützen würde. Diese Ansicht habe ich in wiederholtenBerichten und mit ausführlicher Begründung und grossem Nach-druck vertreten, ohne jedoch Glauben zu finden, obwohl die Ab-lehnung der Neutralitätsformel durch Lord Haldane und die HaltungEnglands während der Marokkokrise recht deutliche Winke waren.Dazu kamen noch die bereits erwähnten und dem Amte bekanntengeheimen Abmachungen.
Ich wies immer darauf hin, dass England als Handelsstaat beijedem Kriege zwischen europäischen Grossmächten ausserordentlichleiden, ihn daher mit allen Mitteln verhindern würde, andererseitsaber eine Schwächung oder Vernichtung Frankreichs im Interesse deseuropäischen Gleichgewichts und um eine deutsche Übermacht zuverhindern, niemals dulden könne. Das hatte mir bald nach meinerAnkunft Lord Haldane gesagt. In ähnlichem Sinne äusserten sichalle massgebenden Leute.
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