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Meine Londoner Mission 1912-1914 / von Lichnowsky. Mit einem Vorw. von Otfried Nippold
Entstehung
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nicht als Übel verabscheut, dass bei uns noch der feudale Ritter undJunker, die Kriegerkaste regiere und Ideale und Werte gestalte, nichtaber der bürgerliche Gentleman, dass die Liebe zur Mensur, die dieakademische Jugend beseelt, auch denen erhalten bleibt, die dieGeschicke des Volkes leiten? Hatten nicht die Ereignisse in Zabern und die parlamentarischen Verhandlungen des Falles dem Auslandgezeigt, wie staatsbürgerliche Rechte und Freiheiten bei uns bewertetwerden, wenn militärische Machtfragen entgegenstehen?

In die Worte Euphorions kleidete der geistvolle, seither ver-storbene Historiker Cramb, ein Bewunderer Deutschlands , diedeutsche Auffassung:

Träumt ihr den Krieg?

Träume wer träumen mag,

Krieg ist das Losungswort 1Sieg, und so klingt es fort.

Der Militarismus, eigentlich eine Schule des Volkes und einInstrument der Politik, macht die Politik zum Instrument der Militär-macht, wenn der patriarchalische Absolutismus des Soldatenkönig-tums eine Haltung ermöglicht, die eine militärisch-junkerlichen Ein-flüssen entrückte Demokratie nicht zulassen würde.

So denken unsere Feinde, und so müssen sie denken, wenn siesehen, dass trotz kapitalistischer Industrialisierung und trotz sozia-listischer Organisierung die Lebenden, wie Friedrich Nietzsche sagt,noch von den Toten regiert werden. Das vornehmste feindliche Kriegs-ziel, die Demokratisierung Deutschlands , wird sich verwirklichen!

Bismarck .

Bismarck, gleich Napoleon , liebte den Kampf als Selbstzweck.Als Staatsmann vermied er neue Kriege, deren Sinnlosigkeit er er-kannte. Er begnügte sich mit imblutigen Schlachten. Nachdem erin rascher Folge Christian, Franz Joseph und Napoleon besiegt, kamenArnim, Pius und Augusta an die Reihe. Das genügte ihm nicht.Gortschakow hatte ihn wiederholt geärgert, der sich für grösser hielt.Er wurde bis hart an den Krieg bekämpft, sogar durch Entziehungdes Salonwagens. So entstand der traurige Dreibund. Zum Schlussfolgte der Kampf gegen Wilhelm, in dem der Gewaltige unterlag, wieNapoleon gegen Alexander.

Politische Ehen auf Tod und Leben geraten nur im staatsrecht-lichen, nicht im völkerrechtlichen Verbände. Sie sind um so bedenk-42