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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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Zusammenwirken ungezählter geistiger und physischer Ar-beitskräfte.

Ein solches Zusammenwirken in einem weitschichtigenund komplizierten Organismus hat seinerseits zur Voraus-setzung eine weitgehende Schulung uud Disziplinierungder lebendigen Arbeitskräfte. Schon die Entwicklung derTechnik für sich allein, die auf einem gewaltigen Unterbauwissenschaftlicher Arbeit beruht, führt notwendigerweise zueiner fortschreitenden Verdrängung desungelernten Ar-beiters durch dengelernten Arbeiter. Der oft gehörteSatz, dass die Entwicklung der Technik die Menschen selbstzu Maschinen machen müsse, ist nicht richtig. Die Ma-schine nimmt dem Menschen ein gewaltiges Mass von kör-perlicher Arbeit ab, das andernfalls teils von den Menschenselbst geleistet werden müsste, zum grössten Teil aber über-haupt nicht geleistet werden könnte. Die Herstellung undBedienung der immer feiner und komplizierter werdendenMaschinen stellt wachsende Ansprüche an die Ausbildungdes Arbeiters. Die immer mehr zunehmende Bedeutung derTechnik für die gesamte Wirtschaft hat der geistigen Arbeitneue Berufe erschlossen, die denjenigen des Gelehrten, desRechtskundigen, des Arztes, des Literaten, des Künstlersebenbürtig zur Seite treten: die Berufe des Technikers, desIngenieurs, des wissenschaftlichen Hilfsarbeiters in prak-tischen Betrieben. Diese grossen Vorteile müssen billiger-weise dem Nachteil gegenübergestellt werden, der darin be-steht, dass bei der vorgeschrittenen Arbeitsteilung demEinzelnen mehr und mehr bestimmte Teilarbeiten zufallen.Alles in allem genommen, hat die Entwicklung der Techniknicht die Tendenz, die wirtschaftliche Arbeit zu entseelen,sondern die Tendenz, sie zu vergeistigen.

Was in Deutschland während der letzten Jahrzehnte aufdem Gebiet der Fachschulen geleistet worden ist, soll hier