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Was die Gesamtproduktion anlangt, so hält Deutsch-land bei Weizen und Roggen den dritten Platz in grossemAbstand nach Russland, in kleinem Abstand nach den Ver-einigten Staaten; Oesterreich-Ungarn und Frankreich folgenmit etwa zwei Dritteln der deutschen Ernte. Bei der Gerstebehauptet Deutschland nach Russland und den VereinigtenStaaten den dritten Platz mit einem kleinen Vorsprung vorOesterreich-Ungarn. Beim Hafer hat Deutschland unbe-stritten die dritte Stelle, und bei den Kartoffeln stehtDeutschland weitaus an der Spitze.
Durchweg schlägt Deutschland alle anderen Ackerbau-länder hinsichtlich des Ertrages pro Hektar, und zwar zu-meist mit sehr beträchtlichem Vorsprung. Da bei einemsolchen Vergleich weder die Bodenbeschaffenheit noch dieklimatischen Verhältnisse zugunsten Deutschlands liegen,so kommt in diesen Ziffern die grosse betriebstechnischeUeberlegenheit der deutschen Landwirtschaft zum Ausdruck.Die deutsche Landwirtschaft kann um so mehr auf ihreglänzenden Leistungen stolz sein, als diese unter zeitweisesehr schwierigen Verhältnissen im Wettbewerb mit jüngerenAckerbauländern erzielt wurden, die mit billigem und jung-fräulichem Boden und billigen Arbeitskräften wirtschaftenund zeitweise — namentlich in den 90er Jahren des vorigenJahrhunderts — ihre Produkte in gewaltigen Massen undzu ruinös billigen Preisen auf den europäischen Marktwarfen. Die Handelspolitik des Reichs hat zwar durch einenweitgehenden Zollschutz den deutschen Ackerbau kräftiggestützt und ihm über die schwierigsten Zeiten hinwegge-holfen; aber die oben wiedergegebenen Ziffern zeigen, dassder deutsche Ackerbau sich nicht etwa hinter der Zollmauerin der Defensive gehalten, sondern durch Intelligenz undAusdauer seine Produktionskraft auf eine nirgends erreichteHöhe gebracht hat.