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Währung und Landwirtschaft / gemeinfaßlich dargest. von Karl Helfferich
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Gctreideerport verzeichnen, daß ferner die beiden folgenden Jahre mitsteigendem Agio auf Gold eine fallende Getreideausfuhr haben, daßim Jahre 1887, als die Valuta sich etwas besserte, die Getreideaus-fuhr wieder stieg kurz, daß in den 11 Jahren von 1883 bis1893 nur in drei Fällen eine gesteigerte Weizenausfuhr und ein ge-steigertes Goldagio zusammentrifft. Davon kommt einer nicht in Be-tracht, denn daß das Koldagio von 1892 auf 1893 von 229 auf230°/» stieg, kann doch nicht Ursache der Steigerung der Getreideausfuhrvon 470 0V«) auf über 1 Milliou Tonnen gewesen sein. Die thatsächlicheEntwickelung beweist also das Gegenteil der bimctallistischen Theorie.

Die spezielle!? argentinischen Verhältnisse lassen das erklärlich er-scheinen. Die Theorie von der Exportprämie, welche für Indien nocheher eine Berechtigung haben könnte, erscheint hier völlig unangebracht.Es ist hier keine Rede davon, daß die Produktionskosten des Getreidesdurch die sinkende Valuta nennenswert beeinflußt werden. In Argen-tinien sieht niemand den Papierpeso als wertbeständig an, wie z. B.der Jndier seine Rupie, sondern als Wertmesser gilt das Gold. Allegrößeren Geschäfte werden in Gold abgeschlossen. Die Kolonisations-gcsellschaflcu, welche den größten Teil des anbaufähigen Bodens er-worben haben, verkaufen denselben an die Ansiedler gegen in Gold fest-gesetzte Preise. Läßt der Ansiedler einen Teil des Kanfgelds als Hypothekaus seinem Knt stehen, dann hat er diese, ebenso wie sein deutscher Kon-kurrent in Gold zu verzinseu. Sein ganzes Wirtschaftsgerät muß derAnsiedler aus Europa beziehen und in Gold bezahlen; er muß alsoauch die Ziusen uud die Amortisationsquote seines im Inventar an-gelegten Kapitals in Gold berechnen, ebenfalls wie sein europäischerKonkurrent. Wie steht es ferner mit den Arbeitslöhnen? Diese werdenallerdings in Papier bezahlt, aber einmal sind die Geldlöhne nur einBruchteil des Gesamtlohnes, da der Arbeiter durchweg seine ganze Kosterhält, und dauu sind die Geldlöhne allem Anschein nach außerordentlichbeweglich, ganz im Gegensatz zn den indischen Geldlöhncn, und siepasscu sich infolge dessen naturgemäß sehr leicht dem gesunkenen Geld-wert an. Die argentinische Arbeiterschaft kann in zwei Gruppen ge-teilt werden, in die Eingeborenen und in die Europäer, besondersItaliener , welche herüberkommen, um Geld zu verdienen und dann mitihren Ersparuisseu in ihre Heimat zurückzukehren. Ein Zeichen fürdie enorme Höhe, welche der Arbeitslohn vor Ausbrnch der letztenKrisis erreicht hatte trotz eines Goldkurses von gegen 200°/c>ist es, daß italienische Arbeiter in großen Massen speziell zur Erntezeitnach Argentinien hinübergingcn und nach der Ernte mit erklecklichenErsparnissen wieder abziehen konnten, obwohl sie aus ihrem VerdienstHin- und Rückfahrt zu zahlen hatten. Es wurden damals Tagelöhnevon 812 Mark in Gold bezahlt, während der durchschnittliche Tage-lohn, abgesehen von der Erntezeit, etwa 2.50 betrug. Infolge derallgemeinen wirtschaftlichen Depression, welche gegenwärtig Argentinienschwer daniederdruckt, sind allerdings jetzt auch die Arbeitslöhne etwas