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teil sowohl der indischen Getreideprodnktion (etwa 10 bis 13°/o) alsauch der Gesamtmenge des auf den Weltmarkt kommenden Getreides;er macht z. B. nur gegen 1V °/o des englischen Getreiocimports aus,und England ist das Hauptabsatzland für indisches Getreide. SeinEinfluß auf den Weltmarktpreis kann also, selbst die nicht bewiesenebimetallistische Theorie von der Wirkung der Valutadifferenzen zuge-geben, kein irgend erheblicher sein. Selbst wenn das Sinken derValuta den indischen Getreideproduzenten eine Erportprämie gewährt,so wird der Jndier mit dieser nicht den Weltmarktpreis drücken, sondernvermöge derselben lediglich einen höheren Gewinn machen, als er sonsterzielt hätte.
Die thatsächliche Entwickelung der letzten Jahre bekräftigt dieseAnsicht in der deutlichsten Weise. Die Befürchtungen, welche man andie während der achtziger Jahre infolge der fortschreitenden Entwickelungder Verkehrsverhältnisse, des Eisenbahnbaus, des Suezkauals und fernerder Aufhebung des Ausfuhrzolls auf Getreide stark anwachsenden Ge-treideausfuhr Indiens anknüpfte, haben sich als unbegründet gezeigt.Seit etwa 10 Jahren ist ein Stillstand eingetreten. Die Anbau-fläche für Getreide in Indien ist infolge der niedrigen Getreidepreisesogar nicht unerheblich reduziert worden. Es kann also keine Rededavon sein, daß Jndieu vermöge seiner unterwertigen Valuta die Welt-marktpreise für Getreide bestimme, sondern es wird umgekehrt ausIndien nur dann Getreide ans den Weltmarkt gebracht, wenn es diejeweiligen Preise gestatten und rentabel erscheinen lassen. (Ellstütter.)
Wenden wir uns zu Argentinien! Da ist es vor allemsehr merkwürdig, daß Argentinien unter der riesig uuterwertigeu Valuta,welche es vor dem Jahre 1883 hatte, mit einem Agio von zeitweisebeträchtlich über 3000°/o, kaum hinreichend Getreide für den eigenenBedarf produzierte. Wenn das jetzige Goldagio von 250—300°/»die argentinische Getreidekonkurrenz so mächtig angefacht, wie hätte erstdas mehr als zehnmal höhere Agio wirken müssen! Heute steht derargentinische Peso statt auf 4 ^ ungefähr auf 1,20 damals abergalt er nur etwa 13 Pfennige. Nach bimetallistischer Theorie, welcheHerr von Kardorff jüngst im Reichstag vertreten hat, hätte man alsodamals in Argentinien für 13 Pfennige soviel erhalten als bei unsfür 4 Wenn sich damals der Zentner Weizen bei uns auf 10 -//^stellte, hätte man ihn nach der Theorie des Herrn von Kardorff inArgentinien um 32^/s Pfg. kaufen können. Und doch fand sich nie-mand, weder in Argentinien noch in der übrigen Welt, der, dieseunglaubliche Gewinnchance benützend, in Argentinien Getreide für denExport baute. Etwas kann hier nicht stimmen. Entweder war dieMenschheit anfangs der 80er Jahre völlig mit Blindheit geschlagen,oder die bimetallistische Theorie hat ein Loch. Wir ziehen es vor, dasletztere anzunehmen. Sehr auffallend ist nun, daß die Jahre 1883und 1884, die Jahre der effektiv durchgeführten Goldwährung zumerstenmal in der argentinischen Geschichte einen nicht unerheblichen