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Eine ähnliche, wenn auch nicht so gewaltige Wirkungmochte man sich von dem Aufhören des lateinischen Bundesversprechen, um so mehr;' wenn zugleich nicht ganz unwahr-scheinlicher Weise einer jener beiden anderen Vorgänge inAmerika oder in Deutschland , oder gar beide zusammen her-beigeführt würden.
Es läfst sich aber, wenn man auch nicht diese pessimisti-sche Rechnung ins Spiel zieht, füglich ganz gut rechtfertigen,dafs vom französischen Standpunkte aus ein baldiges Endeder Union einem langen Hinausleiern der Dinge vorzuziehenist. Tritt keine Bekehrung zum Weltbimetallismus in Folgeeiner drohenden oder zum Ausbruch kommenden Katastropheein, so wird auch der überzeugteste Anhänger der Doppel-währung zu dem Schlufs kommen, dafs nach Zerfall deslateinischen Bundes die mit Frankreich verbündeten Nationensich jede für sich anstrengen werden, zur Goldwährung über-zugehen; bei den in ihrer Mitte herrschenden Tendenzenwerden sie unter dem Deckmantel des verlängerten Münz-vertrags sich im Stillen immer mehr darauf rüsten, in einemgünstigen Moment das Verhältnifs zu lösen. Kein offiziellesBekenntnils verwehrt ihnen, wie der französischen Regierung,in sichtbarer Weise von dem Glauben an das unfehlbare 15 1 / 2abzuweichen. Stillhalten, damit die Anderen ihr Geschäftum so besser besorgen könnten, wäre darnach für Frank-reich eine um so gröfsere Thorheit gewesen, als man daswarnende Beispiel Deutschlands vor Augen hatte, dessen Un-schuld zum Vortheil der Anderen ausgebeutet worden war,nachdem es sich von seinen guten Rathgebern hatte belehrenlassen, wenn es hübsch auf seinem Silber sitzen bliebe, würdees ein famoses Geschäft machen und noch den Segen desAuslandes als köstlichen Nebengewinn einheimsen.
Zum Ueberflufs hatte sich die ganze lateinische Unionnach zwanzigjährigem Bestaud als unfruchtbar erwiesen. VonAnfang bis zu Ende hatte sie nur Zwistigkeiten und Aerger-nisse unter den Mitgliedern genährt und eher dazu beigetragenihr Währungssystem in den Augen der Welt zu discreditiren