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starrige Belgien ein Einsehen haben, denn man konnte sichnicht verhehlen, dafs die Erneuerung ohne dasselbe doch einunverkennbares Zeichen sein werde, wie es mit dem ganzenBund ein Ende nehme. Das Interea aliquid fit, womit mansich länger als ein Jahrzehnt das Leben gefristet hatte, dasewige Hinausschieben von Beschlüssen, wie immer bei unlös-baren Verlegenheiten, drückte abermals sein Siegel auf denletzten Tag der Berathung, und als der Anfang Oktoberkam, war man abermals nicht vorbereitet. Neuer Aufschubam 12. und auch dann wieder in der elften Stunde am 20.des Monats. In Italien erhob sich in der fachmännischenPresse ein Sturm der Entrüstung wider die Delegirten, welcheentgegen ihren eigenen Präzedenzien Belgien im Stich gelassenund sich Frankreichs Forderungen unterworfen hatten.*)
Nur die Schweiz war ganz zufrieden mit dem Gang,den die Dinge genommen hatten. Ihr pafste die Liqui-dationsclausel ganz vortrefflich, und ein Blick auf die Ent-wickelung ihres Münzwesens macht dies auch ganz erklär-lich. Die Schweiz hatte im Jahre 1850 im Gefolge ihrer ausdem Sonderbundskrieg hervorgegangenen Bundesreform dieEinigung ihres Münzwesens in die Hand genommen, ganzwie Deutschland zwei Jahrzehnte später sich der gleichenAufgabe als einer der dringendsten und wichtigsten seinerpolitischen Wiedergeburt zuwenden sollte. Die Verwirrungund die Mangelhaftigkeit des Geldumlaufs war hier nochgröi'ser als bei uns, begreiflicher Weise wegen der kleinenKautonalsouveränitäten und des Eingreifens auswärtiger Geld-sorten in den Verkehr des in so enge Grenzen eingeschlossenenLandes. Andererseits hatte die Schweiz nicht mit dem Elenddes kleinstaatlichen Papiergeldes zu schaffen gehabt, wie wir.Das Gesetz vom 7. Mai 1850 adoptirte das Frankensystem
*) Zur Oharakterisirung dieses Streites nur einige Titel der darübererschienenen Schriften: II Sofisma gallico e l'Astuzia Latina nella OonferenzaMonetaria — La Questione Monetaria e il defrando dell* Italia — L'in-successo della Oonferenza Monetaria.