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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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Da in Geschäftssacben von Staat zu Staat jeder nochmehr als in Privatsachen sich selbst der Nächste ist, so kannmau der Schweiz nicht verdenken, dal's sie auf der Conferenzeifrig für Frankreich Partei ergriff. Auch hatte sie zur Recht-fertigung dieses Verhaltens noch den schönen Hinweis darauffür sich, dafs sie von Anfang an für die Annahme der reinenGoldwährung bei der Union eingetreten war, den Versuch indiese Balm einzulenken unermüdlich erneuert hat. Wie sollsie jetzt den Vortheil von sich ablehnen, den ihr das Zu-treffen aller ihrer Prophezeiungen einbringen wird?

Und noch Eines, was nicht zu verachten ist. Sie hatihrer Ueberzeugung auch Opfer in Form der Enthaltsamkeitgebracht. In den Jahren 1874 bis 1878, als die Unionsstaatenjährlich das Contingent von Silber feststellten, welches jederStaat ausprägen dürfe, hat sie sich von dem Gewinn, derDank dem Unterschied zwischen dem wirklichen Silberpreisund dem fictiven Werth der Münzen zu machen war, nichtverleiten lassen. Nur im ersten Jahre 1874 machte sie daszweifelhafte Geschäft mit. Auf 29 Millionen, zu denen sienach den vier verschiedenen Vereinbarungen berechtigt ge-wesen wäre, hat sie nicht ganz 8 Millionen gemünzt. Jetztwill sie ernten, was sie gesät hat.

Die Eidgenossenschaft hat aber auch um so mehr prak-tische Ursache der Liquidatiousclausel zuzustimmen, als sieohne, dieselbe in eine rechtlich ganz bedenkliche Lage käme.

In der Polemik über die aufgeworfene Frage hat der bel-gische Delegirte der Schweiz, die so flott den französischen Forderungen secundirte, entgegengehalten, sie hätte gut reden,sie hätte als Münz -Subjekt und Verbündeter eine Parasiteu-existenz geführt, und nachdem sie den anderen die Sorgeüberlassen, für sie zu prägen, gelüste ihr jetzt, auch dafürnoch ungerechten Lohn einzuziehen.Wir waren" sokonnten die Belgier sagenein Bund, in dem zur Her-stellung eines gemeinsamen Umlaufsgebietes Jeder seinen Theilnatürlicher Weise beizutragen hatte, und, wie auch die Licmi-dationsfrage nachträglich entschieden werde, so viel ist gewifs:

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