Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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Er war als Sohn wohlhabender aber nicht reicher Elternam 22. Juli 1823 in Mainz geboren. Nachdem er das Gym-nasium absolviert hatte, widmete er sich dem juristischen Stu-dium; nicht etwa aus einer starken inneren Neigung für dieRechtswissenschaft oder die juristische Laufbahn, sondern weildieses Studium als das unter den obwaltenden Verhältnissennatürliche erschien.Da kein besonderer Grund für dasStudium der Medizin vorlag," so erzählt er selbst in seinen Er-innerungen,wurde ich zum Juristen bestimmt. Zum Studiumschien ich veranlagt, und so blieb kaum eine andere Wahl."

Während seiner Universitätszeit, die er in Giessen, Heidel-berg und Göttingen verbrachte, befasste er sich neben derRechtswissenschaft mit philosophischen und später auch mitnationalökonomischen Studien.

Das von Anfang an ins Auge gefasste Ziel war die Advo-katur, aber nicht aus Lust und Liebe zu diesem Beruf, sondernin Ermangelung einer besseren Möglichkeit. Im Frühjahr 1847absolvierte er das Staatsexamen, und diese Thatsache begleiteter in seinen Erinnerungen mit folgenden bezeichnenden Worten:

Jetzt war der Mensch für die juristische Laufbahn abge-stempelt. Aber was aus ihm werden sollte, lag im tiefstenDunkel. Zehn oder zwölf Jahre warten bis zur Advokatur hattean sich wenig Reiz, wenn auch der Sinn darauf gestandenhätte. Von der Beamtenkarriere konnte wenn auch die Lustdazu nicht gefehlt hätte keine Rede sein, da nach der sogarbis auf den heutigen Tag in Hessen festgehaltenen Observanz Judenim Staatsdienst nicht angestellt werden. Aber die Haupt-sache war, dass der Sinn viel mehr nach dem Stu-dium als nach der Praxis hinneigte.'

Er erzählt dann, wie er sich in den Jahren vor demStaatsexamen speziell der National-Ökonomie zuge-wendet hatte. Als Student hatte er seine Studien auf diesemGebiet in Heidelberg unter der Leitung von R a u begonnen,der damals der angesehenste Vertreter der Schule des AdamSmith in Deutschland war. In Göttingen geriet erunter denZauber des wenige Jahre vorher erschienenen Hauptwerkesvon Friedrich List, " der sich in den schärfsten Gegensatz zurenglischen Schule stellte und an Stelle des Freihandelssystemseine industrielle Schutzzollpolitik zur Erziehung produktiver