den er unter dem Zwang der Verhältnisse gewählt hatte, inner-lich auszusöhnen. „Erst mein langer Dienst in dem grossenPariser Geschäft," so schreibt er selbst, „brachte so vielen undvielgestaltigen Lernstoff, dass mir das Bewusstsein geblieben ist,in keiner andern Laufbahn hätte ich mehr über Menschen undDinge der grossen und kleinen Welt lernen können als in dieser."Die Mitarbeit bei grossen Unternehmungen, die praktische Be-rührung mit grossen Aufgaben des Kulturlebens, die Be-thätigung bei grossen Finanzoperationen, welche mit der gesamteneuropäischen Politik in engem Zusammenhang standen: das alleserschloss einen weiten Horizont und milderte den Druck derbisherigen mehr handwerksmässigen Beschäftigung. So war derPariser Aufenthalt die denkbar beste Schule, um Bamberger aufdie wichtigsten der Aufgaben, die seiner in Deutschland harrten,vorzubereiten.
Zu der Aussöhnung mit dem Beruf kam hinzu die An-nehmlichkeit des Pariser Aufenthalts und ein weiter Verkehrmit interessanten und gebildeten Leuten der verschiedenstenBerufsarten. Die wissenschaftlichen, literarischen und politischenNeigungen Bambergers fanden in diesem Kreis Anregung undBefriedigung. Insbesondere wurde die Fühlung mit den deutschenVerhältnissen wiederhergestellt durch den intimen Verkehr mitdeutschen Flüchtlingen, wie H. B. Oppenheim und MoritzHartmann.
Freilich war es gerade das wachsende Interesse an derdeutschen Heimat, das eine volle Zufriedenheit nicht aufkommenHess. Der Sinn für literarische und politische Bethätigung hattesich in unverminderter Stärke erhalten, und nur auf deutschemBoden war ein Uebergang auf dieses Gebiet innerhalb des Be-reiches der Möglichkeit. „Ich empfand damals" — so schreibtBamberger — „noch nicht den Trost des grossen Vorteils,welchen mir diese Schulung durch das praktische Leben anBelehrung und an Sicherung meiner ökonomischen Unabhängig-keit eintragen sollte. Erst die spätere Lebenszeit, als ich wiedernach Deutschland und in die Politik zurückkam, sollte mir dieseEinsicht verschaffen; erst da lernte ich vollauf schätzen, wie dievermeintliche Widerwärtigkeit meines Berufwechsels mir zumSegen gereichte, und manchmal geriet ich nachträglich auf denGedanken, dass ich mich in jener Pariser Zeit noch zufriedener