Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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gefühlt hätte, wenn ich vorausgewusst hätte, wie ich nach Jahrenüber sie denken würde."

Im Jahre 1859 gab der Ausbruch des Krieges zwischenItalien und Frankreich einerseits und Oesterreich andrerseitsden Anstoss zu einem ersten Eingreifen in die deutschen politi-schen Verhältnisse. Die öffentliche Meinung Deutschlands nahmin einer überschwänglichen Weise für Oesterreich Partei undverlangte ein Eingreifen der deutschen Staaten für dasBruder-volk". Zu den wenigen, welche damals klar sahen und erkannten,dass ein solcher Schritt ein kaum gut zu machender Missgriffgewesen wäre, gehörte neben Bismarck auch Ludwig Bam-berger. Die Teilnahme an den Geschicken Deutschlands ,die eine verhängnisvolle Wendung zu nehmen drohten, er-fasste ihn mit Leidenschaft, und zum ersten mal, seitdem erEngland verlassen hatte, griff er wieder zur publizistischenBethätigung, um Deutschland zu warnen. Er verfasste eineFlugschriftJuchhe nach Italia!", an die sich eine heftige Pole-mik mit den grossdeutschen Freunden Oesterreichs anschloss.

Aus diesem ersten Schritt in den politischen und literari-schen Kampf entstand der lebhafte Wunsch, mit Deutschland und den deutschen Vorgängen in stetiger Fühlung zu bleibenund dauernden Einfluss auf die deutsche öffentliche Meinung zugewinnen. So entstanden im Herbst 1859 dieDemokratischenStudien", eine Zeitschrift, die Bamberger im Verein mit einigenGesinnungsgenossen begründete und die in zwangloser Folgeerscheinen sollte. Sie brachte es jedoch nur auf zwei Bände.An ihrer Stelle gründete Bambergers Freund Oppenheim, derinzwischen nach Berlin zurückgekehrt war, eine MonatsschriftDeutsche Jahrbücher für Politik und Literatur", bei welchenBamberger gleichfalls fleissig mitarbeitete. Das erste Heft wurdeim September x 861 ausgegeben. Bamberger hatte dafür aufOppenheims Veranlassung einen Aufsatz über dieGold- undSilberfrage" geliefert, seine erste währungspolitische Studie, aufdie wir später eingehend zurückkommen werden.

Durch die eifrige Mitarbeit an den deutschen Jahrbüchernwuchsen die Beziehungen zu Deutschland , namentlich zu Nord-deutschland immer mehr. Aber an eine dauernde Rückkehr indie Heimat war damals noch nicht zu denken. Die hessischeRegierung gestattete Bamberger im September 1862 auf eine