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Wiener Münzvertrag von 1857 war die einzige Goldmünze,welche geprägt werden durfte, die Krone und die halbeKrone im Feingehalt von 10 bezw. 5 gr. Der Wert der Kronein den Landessilberwährungen wurde nicht fixiert, sondern sollteganz und gar dem freien Spiel von Angebot und Nachfrageüberlassen bleiben. Auch das Recht der Münzvereinsstaaten, fürdie Annahme der Kronen an ihren öffentlichen Kassen einenbestimmten Kurs festzusetzen, wurde erheblich eingeschränkt.Die Folge dieser Bestimmungen war, dass die Goldkrone sichim deutschen Verkehr nicht einbürgern konnte. Von dem ge-ringen Betrag, der bis 1871 ausgeprägt worden ist, wurde dergrösste Teil eingeschmolzen und exportiert. Auch von der frü-heren Landesgoldmünze, wie Friedrichsdor und Dukaten, warennur kleine Mengen im Umlauf.
Der in dem Wesen der Silberwährung begründete Mangelan einer ausreichenden und geordneten Goldzirkulation führtezu einer übermässigen Ausgabe papierner Geldzeichen,und dieser Missstand wurde noch besonders begünstigt durchdie staatliche Zersplitterung Deutschlands .
Da nur wenig Goldgeld vorhanden, Silber jedoch bereitsfür verhältnismässig kleine Zahlungen zu schwer und unbequemwar, fand sich das Publikum geneigt, alle möglichen Arten vonPapiergeld anzunehmen. Die einzelnen Staaten, welche in Bezugauf die Papiergeld- und Bankgesetzgebung vollständig souveränwaren, machten sich diesen Umstand zu nutze. Die kleinen undmittleren Staaten, die ihr „Münzregal " in früheren Zeiten durchMünzverschlechterungen ausgebeutet hatten, fanden, seit einemsolchen Gebahren durch die Münzverträge ein Riegel vorgeschobenwar, ihren Vorteil in der übermässigen Ausgabe von Staats-papiergeld, welches nicht nur für den Umlauf in dem eignenbeschränkten Territorium, sondern auch für das Gebiet der an-grenzenden grösseren Staaten berechnet war. Dieselben Ursachenführten zu einer starken Ausdehnung des nicht durch Bargeldgedeckten Notenumlaufs. Die kleineren Staaten machten vonihrem Recht, Zettelbanken zu konzessionieren, einen ausgiebigenGebrauch, weil sie von solchen Banken sowohl kommerzielleVorteile für ihr Gebiet als auch fiskalische Gewinne erwarteten.Natürlich versuchten diese kleinen Notenbanken, die sich gegen-seitig lebhafte Konkurrenz machten, alles, um möglichst viel von