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sich die definitive Bankreform wider Erwarten lange verzögerte.Ein ähnliches Bundesgesetz beschränkte das Staatspapiergeldauf den status quo; das Gesetz vom 16. Juni 1870 untersagteden Einzelstaaten die Vermehrung ihres Papiergeldes ohne dieZustimmung des Bundes. Das war alles, was auf diesem Feldvor der Gründung des Reichs zu stände kam.
Die Schwierigkeiten der gesamten Reform wurden fernergesteigert dadurch, dass eine auf den Norddeutschen Bund be-schränkte Neuordnung den heftigsten Widerspruch gefundenhätte, während anderseits der Einbeziehung der süddeutschenStaaten damals noch grosse politische und staatsrechtliche Hinder-nisse entgegenstanden.
Das alles, in Verbindung mit der gewaltigen Arbeitslast,die in jenen Jahren von der Gesetzgebung des NorddeutschenBundes zu bewältigen war, lässt es erklärlich erscheinen, dasserst im Jahre 1870 seitens der Bundesregierung ein Schritt inder Frage der Geldreform gethan wurde. Delbrück setzte durch,dass man — bei aller Anerkennung des inneren Zusammenhangs— vorläufig von der Reform des Papiergeldes und der Bank-noten absah und zunächst an die Münzfrage herantrat. DerBundesrat beschloss, eine Enquete über die bei der Ordnungdes Münzwesens in Betracht kommenden Verhältnisse zu ver-anstalten.
Es war ursprünglich beabsichtigt, die Enquete auf dieStaaten des Norddeutschen Bundes zu beschränken. Damals,im Frühjahr 1870, fand Bamberger zum ersten mal Gelegenheit,in einer deutschen gesetzgebenden Körperschaft für eine ratio-nelle Münzreform einzutreten. Er stellte im Zollparlament denAntrag, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die Münz-reform als eine gemeinsame Angelegenheit des Zollvereins zu be-handeln und namentlich dafür zu sorgen, dass bei der geplantenEnquete über die Münzreform auch die süddeutschen Staaten bei-gezogen würden.
Er begründete diese Forderung einer ganz Deutschland umfassenden Münzreform gegenüber den partikularistischen Geg-nern dieses Gedankens in einer glänzenden Rede, in welcher ervor allem darauf drängte, dass man den Gesichtspunkt derinternationalen Münzeinigung bei der deutschen Reform aus demSpiel lassen solle. „Wer zuviel umfassen will," sagte er, „der