Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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partikularistischen Bestrebungen und Interessen abgeneigt war.Auf dem Gebiet des Münzwesens war er von allen massgeben-den Personen der eifrigste Vertreter einer möglichst einheitlichenOrdnung; er befürwortete nicht nur die Uebernahme der Münz-gesetzgebung sondern auch der gesamten das Münzwesen be-treffenden Verwaltungsthätigkeit auf das Reich. Ebenso trat ermit Entschiedenheit dafür ein, dass man sofort mit dem Ueber-gang zur Goldwährung Ernst machen und die durch den glück-lichen Ausgang des Krieges und die Kriegskostenentschädigunggebotene günstige Gelegenheit für die Durchführung desWährungswechsels nicht aus der Hand geben solle.

Otto Michaelis stand ihm in diesen Punkten treu zurSeite. Aber der preussische Finanzminister Camphausen,der gleichfalls damals in hohem Masse das Vertrauen Bismarcksbesass, war in wichtigen Punkten anderer Ansicht. Seine preussisch-partikularistischen und fiskalischen Neigungen drohten in derFolgezeit mehr als einmal dem Reformwerk verhängnisvoll zuwerden. In der Währungsfrage war seine Haltung unsicher undunklar. Dabei besass er einen zähen Eigensinn, namentlichwenn es sich um preussisch-fiskalische Interessen handelte.

Delbrück war mit Camphausen persönlich eng befreundet,und es entsprach nicht seinem Wesen, einen Widerstand leiden-schaftlich zu bekämpfen, sondern ihn durch Ruhe und Klugheitzu überwinden. In den Fragen der Geldreform war es beidieser Sachlage von der grössten Wichtigkeit, dass Delbrück bei der Ueberwindung des Camphausenschen Widerstandes aufdie Unterstützung durch den Reichstag rechnen konnte, aufdessen Haltung in diesen Fragen Bamberger einen massgeben-den Einfluss hatte. Wir werden sehen, dass wichtige Teile desganzen Reformwerkes man kann ruhig sagen: das Bestean der ganzen Geldreform dem Reichstag zu verdanken sind.

Bamberger erkannte voll und ganz die Bedeutung der ihmzufallenden Aufgabe und stellte alle seine Kräfte in den Dienstdes grossen Werkes. Alles übrige ordnete er in jener Zeitseiner parlamentarischen Wirksamkeit unter. Zwar hatte ersich bei seiner definitiven Rückkehr nach Deutschland gänzlichvon dem Pariser Geschäft zurückgezogen, aber er hatte seinegeschäftliche Wirksamkeit auf deutschem Boden fruchtbar fort-gesetzt. Er folgte der Aufforderung von Adalbert Delbrück,

Helfferich, Bamberger als Währungspolitiker. 3