Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
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öffentliche Erörterung' hinreichend geklärt sei, und das Reichs-kanzleramt machte sich sofort an die Ausarbeitung eines vor-läufigen Münzgesetzes. Michaelis, dem diese Aufgabe zufiel, warinzwischen durch den Gang der Dinge von der Unrichtigkeitder Doppelwährungsdoktrin überzeugt und für die Goldwährunggewonnen worden.

IV.

Die Männer der Geldreform.

Die umfassenden und schwierigen Aufgaben der Geldreformeröffneten, als der erste deutsche Reichstag zusammentrat, fürBamberger ein weites Arbeitsfeld. Er gehörte damals dem Reichs-tag an als Abgeordneter für Mainz . Schon während des Zoll-parlaments hatte er sich durch seine politische Befähigung unddurch seine glänzende Beredsamkeit eine führende Stellung in der-jenigen Partei verschafft, mit deren politischen und wirtschaft-lichen Ansichten die seinigen damals übereinstimmten, nämlichin der nationalliberalen. Auch bei den Gegnern genoss er grossesAnsehen, und seine Sachkenntnis auf dem Gebiet des Geld- undBankwesens wurde damals allgemein anerkannt.

Seine thatkräftige Mitarbeit an der Geldreform war für dasgesamte Werk von dem grössten Vorteil; denn die Verhält-nisse innerhalb der Reichsregierung waren so geartet, dass dieStellungnahme der Volksvertretung für die Gestaltung derdeutschen Geldverfassung von ganz besonderer Bedeutung war.

Fürst Bismarck kümmerte sich damals persönlich umwirtschaftspolitische Angelegenheiten überhaupt nicht, sondernüberliess deren Leitung dem Präsidenten des ReichskanzleramtesDr. Delbrück. Nun war Delbrück freilich ein Mann, der ins-besondere in den Fragen der Geldreform sehr klar sah unddurchaus die richtigen Prinzipien verfolgte. Seine Verdiensteum die Gründung des Deutschen Reiches beweisen, wie sehrer von dem Gedanken der Reichseinheit durchdrungen und