Freude über das bereits Errungene und das zu Erwartende, undBamberger sagte: „Nun machen wir auch die Goldwährung."Delbrück stimmte freudig bei. Bamberger hat später gelegent-lich über diesen Gedankenaustausch bemerkt: „Nicht als hättenwir damals an die Mittel gedacht, welche die zu jener Zeit nochungeahnte Höhe der Kriegsentschädigung zur Erleichterungdieser Massregel gewähren sollte, sondern einfach darum, weilwir uns bewusst waren, dass es jetzt an ein grosses Schaffengehen werde, und dass dies vor allem eine rationelle Ordnungdes deutschen Geldwesens herzustellen habe."
Dieser Eindruck war allgemein, und er wurde durch dieKriegsentschädigung, die Frankreich nach dem Frankfurter Frie-den an das Deutsche Reich zu zahlen hatte, noch verstärkt. DieFrage, welche den gegenüber der Goldwährung bedenklichenLeuten bisher am meisten zu schaffen gemacht hatte, nämlichwoher man das zur Goldwährung notwendige Gold nehmensolle, erschien durch die Frankreich auferlegte Kontribution alsgelöst. Denn soweit die Kontribution nicht in Gold gezahltwurde, brachte sie wenigstens Mittel, welche zum Ankauf vonPrägegold auf ausländischen Märkten verwendet werden konnten.
Auch in anderer Beziehung hatte der Krieg die Meinungenüber die Hauptziele der deutschen Münzreform wesentlich ge-klärt. Er liess das Verlangen nach einer Weltmünzeinheit aufGrundlage des französischen Systems als eine Utopie erscheinen,auf deren Verwirklichung man nicht warten dürfte. Vor allemaber räumte die Gründung des Reichs das letzte Hindernis hin-weg, welches einer einheitlichen Münzgesetzgebung entgegen-stand, indem die Reichsverfassung die Ordnung des Münz -, Papier-geld- und Notenwesens der Reichsgesetzgebung unterstellte. Dieöffentliche Meinung vereinigte sich immer mehr auf folgendevon dem im August 1871 in Lübeck tagenden Volkswirtschaft-lichen Kongress beschlossenen drei Forderungen : deutsche Münz-einheit auf Grund eines von der Thalerwährung abzuleitendenMünzsystems, dezimale Einteilung des Münzsystems und Gold-währung.
Die Reichsregierung erkannte, dass der Worte genug ge-wechselt waren, und entschlQss sich erfreulicherweise zuraschem Handeln. Sie erklärte die vor dem Krieg beschlosseneEnquete für überflüssig, da die Münzfrage durch die eingehende