Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
36
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Die Münzreform-Gesetzgebung.

Man kann darüber streiten, ob es zweckmässig war, diePapiergeld- und Bankreform vorläufig zurückzustellen undzunächst die Münzreform isoliert vorzunehmen. Bamberger warder Ansicht, dass es richtiger sei, in der umgekehrten Reihen-folge vorzugehen und zuerst das Bankwesen zu reformieren. Fürihn war das wichtigste der von der Bankreform zu erwartendenErgebnisse eine mit weitgehenden Rechten und Pflichten aus-

würde unbedingt notleiden müssen. Aber eine ist so notwendigwie die andere, und somit ist die Notwendigkeit gegeben, dassmehrere Personen zusammenwirken und sich gegenseitig er-gänzen. Dabei ist natürlich ein gelegentliches Ubergreifenauf das andere Gebiet nicht ausgeschlossen. Wie Soetbeer inseiner publizistischen Thätigkeit die Ergebnisse seiner wissen-schaftlichen Forschung verwertete, um Propaganda für die vonihm als richtig erkannten praktischen Ziele zu machen, ebensohat Bamberger sich nie darauf beschränkt, lediglich die Ergeb-nisse der gelehrten Forschung anderer in der gesetzgeberischenPraxis zu verwerten, sondern er hat selbst in zahlreichen Ver-öffentlichungen die Probleme, welche ihn politisch beschäftigten,wissenschaftlich verarbeitet. Aber während bei Soetbeer diegelehrten Arbeiten den Anstoss zum gelegentlichen Eingreifenin die praktische Wirtschaftspolitik gaben, war es bei Bambergerdie praktische wirtschaftspolitische Bethätigung, welche ihn ge-legentlich zur wissenschaftlichen Vertiefung und zu gelehrtenArbeiten veranlasste.

Als nach der Beendigung des Krieges mit Frankreich dieReichsregierung sich entschloss, die geplante Enquete über dasMünzwesen zu unterlassen und die Münzfrage sofort gesetz-geberisch in Angriff zu nehmen, war die Angelegenheit aufdem Punkt angekommen, bei welchem Bamberger die Haupt-arbeit zufiel.