Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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So liess der Entwurf gar viel zu wünschen übrig, als er vomBundesrat an den Reichstag weitergegeben wurde.

Bei der ersten Lesung hielt Bamberger unmittelbar nachDelbrück , der die Vorlage im Namen der verbündeten Regie-rungen in kurzen Worten empfahl, eine glänzende Rede, die füralle Zeit ein Denkmal für seine gründliche Sachkenntnis, seinpraktisches Urteil und seine gesetzgeberische Schaffenskraft seinwird. Er griff weit über den engen Rahmen des Entwurfs hin-aus und behandelte von Grund aus das ganze verwickelte Pro-blem der Münzreform, zu dessen Lösung der Entwurf nur dererste Schritt war.

Hinsichtlich der Rechnungseinheit des neuen Systems wieser darauf hin, dass es vor allem darauf ankomme, den Bedürf-nissen des inneren deutschen Verkehrs Rechnung zu tragen;deshalb lehnte er sowohl eine genaue in das Gewichtssystempassende Münze als auch den Anschluss an ein fremdes Münz-system, wie z. B. das französische ab und befürwortete eineMünzeinheit, die in möglichst einfachem Verhältnis zu den bis-herigen deutschen Landeswährungen stehe.

Die Schaffung eines Goldumlaufs werde, so führte er aus, vonallen Seiten gewünscht, und es frage sich nur, ob dieses Ziel auf demBoden der Doppelwährung oder auf demBoden der ausschliesslichenGoldwährung erreicht werden solle. Das Verhalten der Doppel-währung gegenüber den Schwankungen im Wertverhältnis derbeiden Edelmetalle stellte er dar an den Erfahrungen Frank-reichs : jeweils das billigere Metall strömt in die Zirkulation,während das höherwertige Metall abfliesst, sodass man eigent-lich nicht von einer Doppelwährung, sondern nur von eineralternierenden Währung sprechen könne, bei welcher weder eineGarantie für die Erhaltung eines vorwiegenden Goldumlaufs nochauch eines ausreichenden Silberumlaufs geboten ist. Aber nichtdieser Mangel der Doppelwährung sei für ihn in der Frage derWährung ausschlaggebend, sondern die Überzeugung, dass dasGold immer mehr bestimmt sei, den Umlauf der zivilisierten Nati-onen zu versehen. Seit Jahren habe man sich gegen diesesPhänomen gesperrt und immer mehr habe es seine überwäl-tigende Macht bewährt. Er erinnerte an die falschen Prophe-zeihungen einer Goldentwertung infolge der kalifornischen undaustralischen Goldfunde; seither habe man immer wieder ge-