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Kommission verwiesen, sondern es wurde beschlossen, ihn imPlenum durchzuberaten. Es bildete sich jedoch eine sogenannte„freie Kommission" zur Besprechung des Entwurfs, an welchersich alle diejenigen Abgeordneten beteiligen konnten, die sichfür die Angelegenheit interessierten. An ihren Sitzungen nahmenüberwiegend, aber nicht ausschliesslich, Mitglieder der national-liberalen Partei teil, und Bamberger hatte hier eine vortrefflicheGelegenheit, in kleinerem Kreise in zwangloser Weise aufklärendzu wirken. Die Abänderungsanträge zu dem Entwurf, die inder freien Kommission vereinbart wurden, trugen BambergersNamen.
Bei den Plenarverhandlungen tauchte, als es sich um dieFeststellung des Münzsystems handelte, noch einmal der Gedankeder internationalen Münzeinigung auf. Der WürttembergischeAbgeordnete Moritz Mohl beantragte, das deutsche Münzsystemauf der Grundlage einer Goldmünze im genauen Wert von 25Goldfranken aufzubauen. Bamberger nahm Gelegenheit diestark übertriebenen Vorzüge einer internationalen Münzeinheitauf das richtige Mass zurückzuführen. Gestützt auf seine prak-tischen Erfahrungen zeigte er, wie die grossen internationalenZahlungen nur ausnahmsweise in Bargeld, gewöhnlich jedoch inWechseln ausgeglichen werden, deren Kurs auch bei völligerMünzgleichheit stets um einige Promille um die Parität schwankt,sodass für diese Zahlungen durch eine internationale Münzgleich-heit nicht einmal eine Erleichterung des Rechnens gewonnenwäre. Es sei eine Täuschung, anzunehmen, der grosse Welt-verkehr bedürfe einer internationalen Münze. „Er beruht," sagteBamberger, „auf ganz andern Grundsätzen; er beruht darauf,dass wir dasselbe Metall haben, durch welches die Werteausgeglichen werden, aber nicht dass wir dieselbe Münzehaben."
Der Reichstag verhielt sich in seiner grossen Mehrheit ab-lehnend gegenüber einem internationalen^System; aber nun ent-spann sich ein lebhafter Streit über die an sich gleichgiltigeFrage, ob man die Mark = 1 / 8 Thaler oder den Gulden = 2 / sThaler als Rechnungseinheit annehmen solle. Bamberger sprachdiesem Streit jede sachliche Bedeutung ab, stimmte aber inRücksicht auf die süddeutsche Stimmung für den Gulden, derjedoch mit erheblicher Mehrheit abgelehnt wurde.