Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

8o

selbst dicht bei der Sache stehe und beurteilen könne, welchepraktischen Bedenken vielleicht der Ausführung des natürlichenGedankens im Wege gestanden hätten; er müsse annehmen,dass die Regierung ihren sehr gewichtigen Grund gehabt habe,nicht so zu handeln, wie er es für nötig gehalten hätte. Be-dauern müsse er es aber, wenn nicht alles versucht wordenwäre, um wenigstens einen Teil des Silbers schon im vorauslos zu werden. An Gelegenheit dazu habe es nicht gefehlt;zu gewissen Zeiten habe die französische Regierung mit Wissender ganzen Geschäftswelt Silber gekauft und der Markt sei in-folgedessen williger gewesen. Solche Momente hätte man be-nutzen müssen. Ausserdem sei es empfehlenswert, den Ver-such zu machen, Silber direkt nach Ostasien abzusetzen. Diegrossen deutschen Handelsinstitute verlangten nichts besseres,als durch ein solches Experiment in direkte Verkehrsbeziehungenmit dem Osten zu kommen. Er wisse nicht, warum nach dieserRichtung hin nichts geschehen sei. Ein Beweis, dass man beigutem Willen Silber verkaufen könne, sei die Thatsache, dassdie Hamburger Girobank ihren Silbervorrat von etwa 50 MillionenMark Banko (= 75 Millionen Mark) bereits abgestossen habe. JedeVerzögerung der Silberabstossung sei eine Schädigung, denn dieandern Länder rüsteten sich zum Teil gleichfalls zur Silber-abstossung, und es bestehe die Gefahr, dass sie Deutschland zuvorkommen und die Lage des Marktes verschlechtern könnten.Ich möchte deshalb," so schloss er die Erörterung über diesenPunkt,dass wir möglichst energisch versichert werden, dassdiese Seite unsrer Operationen mit aller nur denkbaren Energieund Vielseitigkeit in Zukunft durchgeführt wird."

Leider fanden diese wohlbegründeten Mahnungen bei derReichsregierung kein Gehör. Der preussische FinanzministerCamphausen, dessen Meinung in diesen Dingen von besonderemGewicht für die Regierung war, unterschätzte ganz und gar dieGrösse der Aufgabe, um die es sich handelte. Er hielt denSilberumlauf Deutschlands für beträchtlich kleiner, als er inWirklichkeit war, und vertrat die Ansicht, dass man überhauptnicht allzuviel Silber werde abstossen müssen. Den Schwer-punkt der Reform sah er nicht in der Ersetzung grosser Silber-massen durch Goldgeld, sondern im wesentlichen sollte nachseiner Auffassung das neue Goldgeld an die Stelle des einzu-