Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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schränkenden Papierumlaufs treten. Wie wir aber bei der Dar-stellung der Papiergeld- und Bankreform gesehen haben, ist auchdie Verringerung des Papierumlaufs erst spät und nur in über-aus kleinem Massstab durchgeführt worden.

Hinsichtlich der Silbereinziehung war für die Regierungthatsächlich der Gesichtspunkt massgebend, vor dem Bambergerso eindringlich warnte: die Vermeidung von Zinsverlusten aneingezogenem Silbergeld. Die Regierung erklärte, man könnedie Goldausmünzung nicht von der Silbereinziehung abhängigmachen, ohne die ganze Reform zu verzögern. Die Silberein-ziehung sei abhängig von der Möglichkeit, Silber zu verkaufen,denn man könne das Silber wegen der grossen Zinsverlustenicht aufspeichern.

Ebenso wie die Gefahr von Zinsverlusten die Silberein-ziehung hemmte, so verzögerte die Furcht vor verhältnis-mässig geringen Verkaufsverlusten die Silber abstossung. Auchhier wurden Bambergers Warnungen nicht beachtet. Seine Be-fürchtungen bestätigten sich bald. Noch ehe die Reichsregierungein Pfund Silber auf den Markt gebracht hatte, wurde in Frank-reich und Belgien im September 1873 die bis dahin freie Silber-prägung eingeschränkt, und zu Beginn des Jahres 1874 wurdedie Silberausmünzung durch einen Vertrag für alle Länder, diezur lateinischen Münzunion gehörten, auf bestimmte Maximal-beträge kontingentiert. Damit war die Silberverwertung aber-mals in erheblichem Umfang erschwert und die Lage desSilbermarktes, die der Reichsregierung vorher schon zu un-günstig erschienen war, erfuhr eine ganz beträchtliche weitereVerschlechterung.

Bamberger begnügte sich nicht nur mit billigen Ratschlägen.Um alle die Gefahren und Bedenken welche sich einer recht-zeitigen Silbereinziehung und -Veräusserung entgegenstellten, dieSpitze abzubrechen, schlug er vor, die Regierung zur Ausgabevon Münzscheinen zu ermächtigen, die der Reichskanzlergegen eingezogenes aber noch nicht veräussertes Silber undgegen angekauftes aber noch nicht ausgemünztes Gold emittierensollte. Die Niederlande hatten, als sie im Jahre 1848 ihrenGoldumlauf in einen Silberumlauf umwandelten, solche Münz-scheine mit gutem Erfolg in Anwendung gebracht.

Durch die Ausgabe von Münzscheinen wäre es der Reichs-

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