Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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der Goldabfluss der letzten zwei Jahre nicht durch die Anfängeder Reichsgoldwährung als etwas neues herbeigeführt wordenist; wenn wir im weiteren Verlauf gesehen haben, dass bei dereinfachen Goldwährung der Goldabfluss durchaus kein Übelist, sondern nur eintritt, wenn und soweit die Übereinstimmungder Pi'eise mit denen der Kulturwelt es fordert, so wird damitder Satz nicht angefochten, dass Goldabfluss im Moment, dadie Silberwährung durch Goldwährung ersetzt werden soll, einÜbel ist". Der Goldabfluss erhob sich dadurch zu der ver-hängnisvollen Bedeutung,dass gerade das Objekt entfloh,mittelst dessen die Neuerung hergestellt werden sollte, und dasObjekt zurückblieb, in welchem die alte, zu überwindende Ver-fassung ruhte".

In Hinblick auf solche Möglichkeiten habe die beste Lösungder Aufgabe der Durchführung der Goldwährung in der grösstenSchnelligkeit gelegen.Von der Silberwährung zur Gold-währung übergehen, das hiess nichts anderes, als den Konfliktbeider Währungen selbst heraufbeschwören in denr unvermeid-lichen Moment, da die eine geschaffen werden musste, ehe dieandere beseitigt war. Diesen Moment möglichst zu verkürzen,hiess den Konflikt selbst auf das Minimum des Übels zurück-führen". Seine schädliche Wirkung konnte aufgewogen werdendurch den Einfluss der fünf Milliarden auf die ZahlungsbilanzDeutschlands . Solange diese günstige Konstellation dauerte,sicherte sie Deutschland vor dem Abströmen des neuen GoldesUm vom Ufer der Silberwährung zum Ufer der Goldwährungüberzusetzen, mussten wir unvermeidlich eine Strömung vonDoppelwährung durchschiffen. Aber wir hatten im niedrigenWechselstand eine günstige Brise, die verhiess, uns glücklichdurch die Gefahr der Strömung hindurchzutragen, weil sie inentgegengesetzter Richtung blies. Alles kam darauf an, ansjenseitige Ufer zu gelangen, ehe der Wind umschlug. Unddies ist nicht geschehen. Wir haben auf die Kraft und Dauerdes günstigen Windes noch mehr gerechnet, als die Thatsachenrechtfertigten. Die Folge wird sein, nicht dass wir Schiffbruchleiden, aber dass wir nur mit Aufwand von etwas mehr Müheund Opfern ans Land kommen, als zu erwarten war". DerRegierung wurde der Vorwurf nicht erspart, dass sie in Bezugauf die Silbereinziehung nicht das Wünschenswerte gethan habe,