Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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sichtige, in dem Sinn kategorisch verneint, dass bisher vonkeiner Seite ein Antrag nach dieser Richtung gestellt oder dieEinbringung eines solchen Antrags besprochen worden sei. In-soweit konnte es scheinen, als sei der Zweck der Interpellationerreicht. Indessen enthielt Bismarcks Antwort keinerlei Auf-schluss über seine persönliche Stellung zu dieser wichtigen Frage,die unter den obwaltenden Umständen allein entscheidend war.Ferner ging aus seiner und v. Dechends Erklärung hervor, dassnicht eine vorübergehende, sondern eine dauernde Einstellungder Silberverkäufe geplant sei. Ausserdem stellte Bismarck fürdie nächste Session einen Gesetzentwurf in Aussicht, der dieReichsregierimg ausdrücklich zu diesem Schritt, der eine Unter-brechung des ganzen Reformwerkes bedeutete, ermächtigensollte; und schliesslich konnten die Interpellanten den Vorwurf,dass sie selbst es gewesen, die künstlich eine Beunruhigung überdie deutsche Münzgesetzgebung erzeugt hätten, nicht ruhig hin-nehmen. All das liess eine Besprechung der Anfrage unbedingtnotwendig erscheinen.

Als erster Redner erhielt Bamberger das Wort.

Er rechtfertigte zunächst sein und seiner Freunde Vorgehen,indem er die Vorgeschichte der Interpellation ausführlich er-zählte und nachwies, wie von ihm persönlich alles gethanworden sei, um eine Interpellation zu vermeiden, wie aberschliesslich die Nachrichten aus England und die Weigerungder Reichsregierung, einen Schritt zur Beschwichtigung der all-gemeinen Beunruhigung zu thun, die Interpellation unvermeid-lich gemacht hätten. Es sei durchaus nicht die Absicht ge-wesen, sich in die Frage der Silberverkäufe einzumischen, sondernnur, dem Reichskanzler Gelegenheit zu der Erklärung zu geben,dass es ihm nicht in den Sinn gekommen sei, Deutschland zurDoppelwährung bringen zu wollen. Die schärfste Abfertigungder Interpellanten, die dahin gelautet hätte: wie könnt Ihr sothöricht sein zu glauben, Deutschland denke unter den jetzigenUmständen an eine Abschaffung der Goldwährung, sei ihm will-kommen gewesen. Er nehme jedoch Anstoss an der Ankün-digung des Reichskanzlers, dass er sich in der nächsten Sessionvom Reichstag ausdrücklich zur Einstellung der Silberverkäufeermächtigen lassen wolle. Das Gesetz schreibe keinen Terminfür die Durchführung der Silberverkäufe vor, und die Reichs-