Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
106
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durch zu bestätigen, dass man an die Interpellation keine weitereDiskussion anknüpfe. Er selbst erbat jedoch für den Reichs-bankpräsidenten v. Dechend das Wort, damit dieser die That-sachen vortrage, die für die Einstellung der Silberverkäufe be-stimmend gewesen seien.

Der Reichsbankpräsident beschränkte sich in Bezug auf dieMitteilung von Thatsachen im wesentlichen auf Angaben überdie bisherigen Verluste an den Silberverkäufen, die er auf72 Millionen Mark bezifferte und auf eine gegenüber den früherenSchätzungen ungewöhnlich hohe Veranschlagung des noch ein-zuziehenden Thalervorrates, die indes, so unwahrscheinlich siedamals klang, sich durch die inzwischen gemachten Erfahrungenbestätigt hat. Bei der völligen Abstossung der Thaler seien beidem Silberpreis der letzten Monate noch weitere Verluste imBetrag von 90100 Millionen Mark zu erwarten.

Hinsichtlich der behaupteten Einwirkung der deutschenSilberverkäufe auf die Silberentwertung brachte er keinerleiMaterial bei. Er beschränkte sich vielmehr auf die Behaup-tung, die Fachleute fast aller Länder machten uns zum Vor-wurf, dass hauptsächlich unser Silber am Fall des Silberpreisesschuld sei, und dass, wenn Deutschland nicht fortgesetzt unge-heure Summen Silber auf den Markt brächte, die Silberpreiseschon längst wieder die -alte Höhe erreicht haben würden. Esmüsse sich jetzt zeigen, ob diese Auffassung richtig sei.

Sie würden der ganzen Welt," so schloss er,dadurcheinen sehr wesentlichen Dienst leisten, wenn Sie den Markt vonder Angst vor dem deutschen Silber bleibend befreiten undüberhaupt kein Silber weiter verkaufen Hessen . Wir leidenunter den Thalern, die noch in Kurs sind, in keiner Weise,und ich bin überzeugt, dass selbst die Süddeutschen sie sichmit Vergnügen noch einige Jahre gefallen lassen würden, wennsie erfahren, dass dadurch eine erhebliche Ausgabe dem Reicherspart wird. Das Ausland wird uns dafür segnen, wenn wirden Alp, der nun schon seit länger als sechs Jahren auf allenVerhältnissen lastet, bleibend von ihm nehmen."

Entgegen der Aufforderung Bismarcks, an die Interpellationkeine weitere Debatte anzuknüpfen, wurde die Besprechung derAnfrage beschlossen. Wohl hatte Bismarck die Frage, ob dieReichsregierung eine Änderung der Münzgesetzgebung beab-