Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
105
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Herr Finanzminister in dieser Beziehung von falschen Annahmenausging, die ich stets heftig angegriffen habe, die aber damalsmassgebend waren." Seit Jahren jedoch habe er sich im Reichs-tag nicht mit der Frage befasst, ob die Regierung Silber weiterverkaufen solle oder nicht, und er hätte es ganz gut begriffen,wenn die Reichsregierung ganz im Stillen beschlossen hätte,für einige Zeit die Silberverkäufe einzustellen, um das Silbersteigen zu lassen. Alles, was die Interpellation bezweckte, war,die Regierung zu der Erklärung zu veranlassen, dass die Deutungwelche man der Suspension der Silberverkäufe gegeben, eineunrichtige sei und dass sie an eine Änderung der Münzgesetz-gebung nicht denke.

Die Interpellation kam am 19. Juni im Reichstag zur Ver-handlung. Bismarck war persönlich anwesend und erklärte sichbereit zur sofortigen Beantwortung.

So massvoll die Interpellation abgefasst war, und so mass-voll sie von Delbrück begründet wurde, kam es doch zu einemheftigen Zusammenstoss.

Bismarck erklärte: Von keiner Seite innerhalb der Reichs-regierung sei ein Antrag auf Abänderung der Münzgesetzgebunggestellt, und die Frage, ob einer zu stellen wäre, sei von keinerSeite auch nur mit einem Worte berührt worden.Die einzigethatsächliche Anknüpfung, der Krystallisationspunkt, an demsich die ganze Legende einschliesslich der Interpellation ge-bildet hat, besteht in meinem an das Bankpräsidium gerichtetenErsuchen, mit den Silberverkäufen einstweilen aufzuhören, in-dem ich für die Fortsetzung, ja die Vergrösserung der Verluste,welche wir gegenwärtig bei dem fortgesetzten Sinken des Silber-preises bis auf 47, während 61 der normale Preis sein würde,erlitten weil ich dafür die Verantwortlichkeit für meinePerson nicht mehr tragen wollte. Ich hatte dabei im Sinne,die Verantwortlichkeit für die Sistierung persönlich zu tragenbis zur nächsten Session." Dann habe er ein Votum des Reichs-tags über die Frage provozieren wollen. Er warf den Inter-pellanten vor, dass die Beunruhigung nicht durch die Nach-richten aus England hervorgerufen, sondern dass sie von ihnenselbst durch die Interpellation erst künstlich erzeugt worden sei.Darum fordere er den Reichstag auf, das Nichtvorhandenseinder Zweifel an der Stetigkeit der deutschen Gesetzgebung da-