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„und Herr Bamberger mag fürchten, was er will, ich werde ihnnicht beruhigen".
So nahm die Debatte eine überaus unerquickliche Wendung.Die Heftigkeit und Gereiztheit Bismarcks war in keiner Weisedurch die Interpellanten provoziert worden, und sie bestätigte fürden Reichstag und für die Öffentlichkeit von neuem den schon seitlängerer Zeit vorhandenen Eindruck, dass Bismarck es daraufanlege, die freihändlerisch gesinnten Führer der national-liberalen Partei zu brüskieren. Ähnlich schroff, wie dieses Malgegen Bamberger, war er wenige Wochen zuvor, gleichfallsohne jeden sachlichen Grund, gegen Lasker und Forckenbeckaufgetreten.
Für Bamberger persönlich bedeutete der heftige Auftrittden vollendeten Bruch mit dem Kanzler, dessen Politik erwährend eines Jahrzehnts auf das eifrigste gefördert hatte. DieArt und Weise, wie Bismarck diesen Bruch herbeigeführt hatte,hinterliess bei ihm eine grosse Bitterkeit, die jedoch auf dieDauer sein objektives Urteil über die gewaltige Persönlichkeitdes ersten Kanzlers nicht zu trüben vermochte. Bambergersletzte Publikation „Bismarck posthumus" gibt Zeugnis vonseinem gleichmässig klaren und freien Blick sowohl für dieLicht- als auch für die Schattenseiten seines grossen Gegners.
Für die Münzreform war das Ergebnis der Interpellation,dass nunmehr die dauernde Suspendierung der Silberverkäufeund damit die Unterbrechung der Durchführung der reinenGoldwährung, wie sie im Münzgesetz als Endziel der Reformbezeichnet war, ausser Zweifel stand. Vielfach gingen die An-sichten dahin, Bismarck werde bei diesem Schritt nicht stehenbleiben, sondern weitere Massregeln zu gunsten des Silbers er-greifen. Bismarck selbst that nichts, um diese Auffassung zuwiderlegen. Ja er empfing sogar nicht lange nach jener Inter-pellation den amerikanischen Silberagitator Kelley in Audienz,und dieser verbreitete die abenteuerlichsten Mitteilungen überZusagen, die Bismarck ihm über seine Mitwirkung bei einerbimetallistischen Aktion gemacht habe. Vor allem aber sprachein in der Sache liegender Grund dafür, dass auf die Einstellungder Silberverkäufe ein weiterer Schritt in der einen oder an-dern Richtung folgen müsse. Allgemein galt der durch dieseMassregel geschaffene Zustand für auf die Dauer unhaltbar, und