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Europa zur Durchführung der im Jahre 1879 wieder aufge-nommenen Barzahlungen an sich zu ziehen, während bisherAmerika umgekehrt den europäischen Ländern grosse Gold-mengen geliefert hatte. Ausserdem nahm Italien in den Jahren1881 bis 1883 zum Zweck der Abschaffung des Zwangskurseseine Metallanleihe im Betrage von 644 Millionen Lire auf, vondenen mehr als 400 Millionen Lire in effektivem Golde ein-gingen.
Alle diese Verhältnisse bewirkten, dass Deutschland injenen ersten Jahren nach der Unterbrechung der Münzreformnicht nur kein Gold vom Ausland erhielt, sondern dass es imGegenteil Gold an das Ausland verlor.
Die Reichsbank kam dadurch in eine besonders schlimmeLage. Fortgesetzt schob ihr der inländische deutsche Verkehrdie Silbermünzen zu, die er nicht benötigte, und holte dafürGold aus ihren Kassen. Der überflüssige Silberrest, welcher beider konsequenten Durchführung der Reform noch hätte ein-gezogen und verkauft werden müssen, sammelte sich so in denKellern der Reichsbank an, während ihr Goldvorrat immermehr zusammenschmolz. Zwar hatte der Reichsbankpräsidentv. Dechend im Juni 1879 ' m Reichstag die noch vorhandenenThaler für unschädlich erklärt, und noch im Februar 1880 gabGeheimrat Schraut als Bundesratskommissar im Reichstag folgendeErklärung ab: „Es liegt der grösste Teil der Thaler in den Be-ständen der Reichsbank, und letztere äusserte sich auf Befragendahin, dass sie aus dieser Sachlage keinen Grund zur Be-schleunigung der (Silber-)Verkäufe ableite; es könne jedermannjederzeit bei den Bankstellen Gold bekommen, und die Banksei in der Lage, ihren Goldvorrat zu schützen".
Die Thatsachen belehrten jedoch den Reichsbankpräsidentenbald eines anderen. Als die Abnahme der Goldbestände sostark wurde, dass die Reichsbank sich zu ungewöhnlichen Dis-kontmassregeln veranlasst sah, welche ihr heftige Angriffe ein-brachten, da bekundete Herr v. Dechend als seine Ansicht,dass der bestehende Zustand unhaltbar sei. Er schrieb imJahre 1882 in einer Denkschrift, die anonym in der Nord-deutschen Allg. Zeitung veröffentlicht wurde:
„Die Verwaltung der Reichsbank ist genötigt gewesen, dieEinlösung ihrer Noten in Gold auf die Hauptbank zu be-