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schränken und Diskonterhöhungen eintreten zu lassen, die rechtgut hätten vermieden werden können, wenn sie nicht mit ängst-licher Sorgfalt über ihren Goldschatz wachen müsste. Das istkein auf die Länge der Zeit haltbarer Zustand, er muss auf dieeine oder andere Weise bald geändert werden, wenn die wirt-schaftliche Lage des Landes nicht darunter leiden soll". —
Die Bimetallisten gewannen durch diese Gestaltung derVerhältnisse immer mehr Anhang, vor allem auch in wissen-schaftlichen Kreisen. Dr. Otto Arendt , der im Jahre 1880als junger Schriftsteller in die währungspolitische Agitation eintrat,fasste in seiner Schrift „Die vertragsmässige Doppelwährung"in gewandter und skrupelloser Dialektik und mit der schärfstenPolemik gegen die führenden Vertreter der Goldwährung alleArgumente zusammen, welche gegen die Goldwährung undfür den Bimetallismus damals geltend gemacht werden konnten.Adolf Wagner, Lexis, Schäffle, Neuwirth und andere namhafteGelehrte, gingen, teilweise durch Arendts Schrift beeinflusst,zum Bimetallismus über.
Alle waren in gleicher Weise beherrscht durch die Uber-zeugung von der Unhaltbarkeit des bestehenden Zustandes. Diegrosse Menge unterwertigen Silbergeldes, welche neben denGoldmünzen zirkulierte, erschien ihnen als eine fortgesetzteBedrohung des deutschen Geldwesens. Man stehe mithin voreinem Entweder — Oder: entweder müsse man durch Wieder-aufnahme der Silberverkäufe die Goldwährung völlig durch-führen, oder man müsse die Goldwährung ganz preisgeben undzur Doppelwährung übergehen. Die erste Alternative könnenicht in Betracht kommen, denn das Wiedererscheinen Deutsch-lands auf dem Silbermarkte werde zu einer solchen Panik undzu einem solchen Preissturz des Silbers führen, dass an Ver-käufe gar nicht zu denken sei. Es bleibe mithin nur der imWeg eines internationalen Abkommens einzuführende Bimetallis-mus. Die Durchführbarkeit einer isolierten Doppelwährung wagtedamals schon niemand mehr zu behaupten.
Zu diesem Grundargument, das aus dem angeblich ver-zweifelten Zustand des deutschen Geldwesens gegriffen war,gesellten sich noch andere Beweisstücke von allgemeinerer Natur.
Die Schuld an der Silberentwertung, die — weit über ihrewirkliche an sich schon nicht kleine Bedeutung hinaus — als eine
Helfferich, Bamberger als Währungspolitiker. 8