Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
130
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Freilich," schrieb Bamberger,wenn Deutschland um jedenPreis mehr Silber auf den Markt brächte, als der Markt fürseine laufenden Bedürfnisse brauchte, so würde es die Preisedrücken und den Markt demoralisieren. Aber das hat nochkein Mensch verlangt, als höchstens die deutschen Bimetallisten,welche damit England zür Verzweiflung zu treiben drohten,aber wohlweislich nie selbst an den Ernst ihrer Drohung ge-glaubt haben und jetzt, wo der Moment gekommen wäre, sichhüten, zur Ausführung zu raten." Wenn aber Deutschland mitMass und Ziel Thalersilber verkaufe, so würden die Käuferkeinen Deut weniger dafür geben, als die objektiven Verhält-nisse des Marktes bedingten.Denn sie kaufen ja nicht nachPhantasie oder unsrer schönen Augen wegen, sondern zur Be-friedigung nächster positiver Bedürfnisse mit der rechnendenFeder in der Hand. Darum darf man wohl sagen: Das Diktumvon der Unverkäuflichkeit des deutschen Silbers beruht heutemehr als je auf purer Einbildung und arbeitet den Machinationenderer in die Hände, welchen die Zerstörung der deutschenMünzreform am Herzen liegt."

Wolle die Reichsregierung die Verantwortlichkeit für dieWiederaufnahme der Verkäufe nicht auf sich nehmen, ob-gleich die ganze Handelswelt seit Jahren dahin dränge, so mögesie sich von neuem dazu durch den Reichstag ermächtigen lassen.Der Reichstag würde zweifellos zustimmen, wenn die Regierungmit der Erklärung hervortrete, dass sie nach mehr als drei-jährigem Zaudern den Moment gekommen sehe, mit Mass dieReform zu Ende zu führen. Eine Initiative des Reichstags, aufwelche der Reichskanzler angespielt habe, sei freilich undenkbar.Eine gesetzgebende Versammlung, die aus so vielen heterogenenElementen bestehe, werde niemals in so schwierigen ökonomi-schen Fragen mit sicherem Schritt ohne die Regierung vor-gehen können. Die Regierung möge in Gottes Namen nochdie Erleuchtung durch den bevorstehenden Cölner Kongressabwarten, dann aber endlich einen Entschluss darüber fassen,ob die deutsche Währung endgiltig einehinkende" bleibenoder ob sie ihrem Ziel zugeführt werden solle.

In einem zweiten Teil zeigte Bamberger, wie alle Gründeauf welchen die Massregel von 1879 beruht habe, hinfälliggeworden seien.