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„Jeder Mensch," so schrieb er, „und noch mehr jede ver-antwortliche Regierung hat Anspruch darauf, dass ihr anrationes dubitandi ein volles Mass gestattet werde. Aber aufder andern Seite kann kein praktischer Mensch, und noch vielweniger kann eine Regierung, welche für die Gesamtheitpraktisch zu sein hat, den Zustand der Zweifelhaftigkeit inPermanenz erklären. Zweifel sind stets ein Übel, wenn auchunter Umständen ein notwendiges, aber sicherlich auf die Dauerund als Lebensregel ein unausstehliches, verderbliches."
Der Zweifel, welcher zur Unterbrechung der Münzreformgeführt habe, sei ein doppelter gewesen. Der erste habe sichauf den Silberpreis und seine Beeinflussung durch die deutschenVerkäufe bezogen, der zweite auf die Möglichkeit des Zustande-kommens einer internationalen Doppelwährung. Beide Zweifelseien in der dreijährigen Zwischenzeit für jedermann, der sehenwolle, gründlich gehoben worden.
Der Silberpreis sei nach der Einstellung der deutschen Ver-käufe nur ganz vorübergehend und ganz unbedeutend in dieHöhe gegangen, um dann von neuem zu sinken. Der wahreGrund für die Entwertung des Silbers sei eben nicht in Deutsch-lands Verkäufen zu suchen, sondern „darin, dass in allen Ländernmit Ausnahme Ostindiens die Prägefreiheit für Silber aufgehobenworden ist; und die Ursache für dieses allgemeine Phänomenist die noch allgemeinere, dass der heutige Verkehr nur nochin den kleinen Dimensionen der wirklichen Scheidemünze sichdes Silbers bedienen will." Deshalb sei keine Aussicht füreine günstigere Gestaltung des Silbermarktes, alle Wahrscheinlich-keit spreche vielmehr für einen beschleunigten Niedergang,und die fortdauernde Sistierung der Silberverkäufe könne dahernicht damit begründet werden, dass man auf eine Besserungdes Silberpreises warten wolle.
Die Hoffnung auf ein internationales Abkommen sei durchdas gänzliche Fehlschlagen der Pariser Konferenz völlig zuSchanden geworden. Der ganze Verlauf der Konferenz, diebei jeder Sitzung immer mehr zerrinnende Aussicht auch nurauf den Anfang einer Verständigung gebe ein so unwiderleg-liches Zeugnis von der Unfruchtbarkeit des ganzen Bemühens,dass heute für weitaus die meisten Teilnehmer der Konferenzwie für alle unbefangenen Leser ihrer Protokolle das ganze
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