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kanzler setzte damals in Scholz ein so unbedingtes Vertrauen,dass er ihm ohne weiteres den Kardorffschen Brief zur geschäft-lichen Behandlung übergab.
Bamberger war weit entfernt, sich nach den günstigen Er-klärungen der Regierung über jede Gefahr zu beruhigen. „Eswird mir immer klarer", so schrieb er am 21. Juni 1883 anSoetbeer, „dass wir nichts zu fürchten haben, als die agrarischenAnwandlungen Bismarcks — aber dagegen giebt es auchkeine Garantie, solange er an der Spitze der Geschäfte steht."
In der That, die Gefahren, welche sich aus der Lage desdeutschen Geldwesens ergaben, wurden mit jedem Jahr geringer.Die Zunahme der Bevölkerung und die Vermehrung der Um-sätze auch im kleinen Verkehr bewirkten, dass der Umlauf einegrössere Menge von Silbergeld absorbierte. Infolgedessen erfuhrder Silberstand der Reichsbank eine Verminderung, obwohl dieReichsregierung die durch die Zunahme der Bevölkerunggegebene Möglichkeit benutzte, um einen Teil des Barrenrestesin Reichssilbermünzen auszuprägen. Gleichzeitig erfuhr derGoldvorrat der Reichsbank eine Vermehrung durch den Zuflussvon Gold aus dem Ausland. Das alles musste beruhigendwirken und den bestehenden Zustand in münztechnischer Be-ziehung auch für diejenigen, welche prinzipiell den Bimetallis-mus oder die reine Goldwährung anstrebten, erträglich erscheinenlassen. Auch Bamberger, der noch im Jahre 1882 mit demgrössten Nachdruck die Wiederaufnahme der Silberverkäufe ver-langt hatte, begann allmählich, sich mit dem status quo abzu-finden, wenn er dabei auch stets seinen prinzipiellen Standpunktwahrte. Er schrieb am 11. Februar 1884 an Soetbeer, welcher sichin einem Aufsatz direkt für das ruhige Abwarten erklärt hatte:„Wir dürfen uns nicht für das. geduldige Abwarten aus-sprechen, sondern müssen den Silberverkauf verlangen. Könnenwir's nicht durchsetzen, so wahren wir unser Gewissen, könnenwir's, um so besser!" Aber das hinderte nicht, dass er in derfolgenden Zeit stets den bimetallistischen Übertreibungen der inden bestehenden Münzverhältnissen liegenden Gefahren energischentgegentrat und die deutsche Währung gegen alle Anzweif-lungen ihrer Solidität mit Nachdruck verteidigte.
Je mehr aber die auf dieser Seite liegenden Gefahrenschwanden, desto grösser wurde die Bedrohung des deutschen