Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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der andern Seite die Dauerhaftigkeit und Güte des bestehendenWährungszustandes überschätze. Nach seiner Ansicht stehe dieRegierung nur vor der Wahl, entweder Silber zu verkaufen oderSchritte zu thun, um mit andern Staaten Vereinbarungen übereine internationale Doppelwährung zu treffen.

Das war für die Regierung eine Gelegenheit, ihren gegen-über dem Jahre 188T merklich veränderten Standpunkt klar zulegen. Geheimrat Schraut gab als Bundesratskommissar eineErklärung ab, deren Schwerpunkt in dem Satze lag, dass inder Frage der GoldnotVermutungen, welche den höchstenGrad der Wahrscheinlichkeit für sich hatten, sich in Wirklichkeitnicht als zutreffend erwiesen haben". Der Status quo sei fürDeutschland durchaus erträglich. Deutschland stehe mindestenssehr viel besser da als Frankreich mit seinem beträchtlichgrösseren Silberumlauf und als England mit seinen ausgedehntenHandelsbeziehungen zu den asiatischen Silberländern. FürDeutschland liege deshalb keine Veranlassung zu irgendwelchenSchritten vor.

Für Bamberger war es ein Leichtes, die KardorffschenForderungen abzufertigen. Er brauchte dessen neues Verlangen,Deutschland möge entweder die internationale Doppelwährungherbeiführen oder sein überflüssiges Silber verkaufen, nur demnoch schwebenden Antrag Kardorff gegenüberzuhalten, der einedauernde Einstellung der Silberverkäufe im Wege der Gesetz-gebung herbeiführen wollte.

Die bimetallistischen Politiker waren über die kühle undablehnende Haltung der Reichsregierung sehr wenig erbaut; mitRecht sahen sie in dem Reichsschatzsekretär von Scholz dieSeele des Widerstandes gegen ihre Bestrebungen innerhalb derRegierung, und der ganze Groll der teilweise sehr temperament-vollen Leiter der bimetallistischen Bewegung richtete sich damalsund in der Folgezeit gegen diesen Mann. Herr von Kardorfif gingdamals, wie Scholz später als Finanzminister im Reichstag ent-hüllte, so weit, dass er einen Brief an den Reichskanzler schrieb,in welchem es hiess: obwohl die Camphausen und Delbrück abgegangen seien, wehe in den Räumen des Reichsschatzamtesimmer noch der Geist Bambergers; seiner Meinung nach seieine Purifikation in dieser Beziehung notwendig. Mit dieser An-klage hatte jedoch von Kardorff keinen Erfolg. Der Reichs