Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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gemildert wurden. Auch dadurch wurde die Reichsregierungin ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den bimetallistischenForderungen bestärkt.

Am 2. Juni fand eine Bundesratssitzung statt, die sich mitdiesen Angelegenheiten beschäftigte, und über deren VerlaufBamberger auf Grund vertraulicher Informationen an Soetbeerfolgendes berichten konnte:

Zunächst wurden die Petitionen auf Abänderung unseresMünzgesetzes einfach beseitigt. Sodann kam die Frage zurSprache, wie sich die verbündeten Regierungen bei einer De-batte über den (damals noch schwebenden) Kardorffschen An-trag zu verhalten hätten, und es wurde beschlossen, dass dasÄusserste, was man den Antragstellern gegenüber erklärenkönne, dahin ginge, dass man auf keinen Fall gesonnen sei,an dem jetzigen Status quo etwas zu ändern. In der Debatteselbst wurde von einigen Mitgliedern, welche unsere Auffassungteilen, angeregt, diesen Ausdruck des Status quo dahin zu de-finieren, dass darunter die Aufrechterhaltung des deutschenMünzgesetzes und nicht etwa auch die Aufrechterhaltung derSistierung der deutschen Silberverkäufe zu verstehen sei. Scholzerwiderte jedoch, dass er es nicht für nötig halte, ausdrücklichso weit zu gehen, sondern diesen Punkt unerörtert lassen würde,falls er nicht vom Hause aus zu deutlicher Interpretation auf-gefordert werde, in welchem Fall er allerdings geneigt schien,in den Status quo auch den Nichtverkauf des Silbers einzube-greifen. Wie die Dinge bei uns liegen, müssen wir damitzufrieden sein. Im übrigen glaube ich auch, dass die Verhand-lung nicht mehr stattfinden wird; erstens weil der Reichstag meiner Vermutung nach schon im Laufe dieser Woche an Be-schlussunfähigkeit sterben wird, und zweitens, weil Kardorff,mit dem ich darüber eine vertrauliche Unterredung hatte, nichtim geringsten Lust empfindet, vorzugehen."

Obwohl v. Kardorff nichts that, um seinen längst einge-reichten Antrag zur Beratung zu bringen, konnte er sich nichtenthalten, bei der zweiten Lesung des Etats am Ii. Juni 1883eine Währungsrede zu halten. Der Kern seiner Ausführungenwar: Er habe zu seinem Bedauern die Überzeugung gewonnen,dass die Reichsregierung auf der einen Seite die Bedeutung derWährungsfrage nach jeder Richtung hin unterschätze und auf