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für ausgeschlossen, und sie begnügten sich mit der Forderungnach kleinen Mitteln.
Herr v. Kardorff, unter dessen Vorsitz der Cölner Kon-gress getagt hatte, versprach, bei den Verhandlungen im Reichs-tag einen Antrag einzubringen, welcher die Deutschland be-treffenden Punkte der Resolution enhalten sollte.
Irgend ein Eindruck war von einem solchen Antrag nichtzu erwarten, und Bamberger schrieb damals an Soetbeer (am20. Oktober 1882): „Kardorff muss man jetzt auf sein Ver-sprechen, einen Antrag in den Reichstag zu bringen, festnageln.Denn dieser Antrag wird sicher abgelehnt. Etwas positivDummes findet eine Mehrheit nur, wenn Bismarck dafür ein-tritt, und das steht in diesem Fall schwerlich zu befürchten."
Kardorff hielt sein Versprechen; aber ihm selbst mag dasVerfehlte seines Vorgehens bald zu Bewusstsein gekommensein. Jedenfalls gab er sich keine Mühe zu verhindern, dasssein Antrag überhaupt nicht zur Verhandlung kam.
Von einer hervorragenden, freilich den Zwecken ihrer Ur-heber ganz entgegengesetzten Bedeutung war die PariserMünzkonferenz in ihrer Wirkung auf die Ansichten und dieStellungnahme der deutschen Reichsregierung. Seitdem Bis-marck von einem persönlichen Eingreifen in die Münzangelegen-heiten wieder Abstand genommen hatte, lag die Leitung dieserFrage fast ausschliesslich in den Händen des damaligen Reichs-schatzsekretärs v. Scholz. Dieser war anfangs in der Währungs-frage unsicher und in seiner Stellungnahme schwankend. Erhat später im Reichstag selbst erzählt, wie für seine währungs-politische Überzeugung die Pariser Konferenz von entscheidenderBedeutung war. Nach eingehendem, pflichtgemässem Studiumdes von Cernuschi verfassten und der Konferenz vorgelegtenbimetallistischen Vertragsentwurfs sei er zu der Überzeugunggekommen, dass es unmöglich sei, einen bimetallistischen Ver-trag zu entwerfen, der nicht die grössten Gefahren in sich berge.
Dazu kam nun, dass im Laufe des Jahres 1882, inwelchem es der Reichsbank gelang, für etwa 111 MillionenMark Gold anzukaufen, die gesamte Lage sowohl dieses In-stituts, als auch des deutschen Geldwesens eine beträchtlicheBesserung erfuhr, durch welche die Schwierigkeiten der angeb-lichen Goldnot beseitigt oder wenigstens in erheblichem Masse