Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
140
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Auch mir ist ein Stein vom Herzen," berichtete Bambergeram 8. März an Soetbeer,denn die Gefahr und die Verantwort-lichkeit war nicht klein, und ich bin selbst überrascht von demglücklichen Ausgang, um so mehr als nach allen Anzeichenhier einer der seltenen Fälle vorliegt, wo es gelang, eine AnzahlReichstagsmitglieder, selbst des Zentrums und der Konservativen,durch Argumente umzustimmen. Aber mehr als je muss ichdavor warnen, sich bei diesem Ausgang zu beruhigen. SolangeBismarck am Ruder ist, müssen wir immer auf eine traurigeÜberraschung gefasst sein, denn seine Herzensneigungen sindund bleiben bei alledem auf der anderen Seite."

Die Bimetallisten waren durch die Ablehnung des Kardorff-schen Antrags keineswegs entmutigt. Durch eine rastlose Fort-setzung ihrer agitatorischen Arbeit hofften sie bei einer Wieder-holung des Ansturms, die für das kommende Jahr in Aussichtgenommen wurde, den Sieg zu erringen. Die Haltung des Reichs-kanzlers war immer noch dunkel, aber sie schien eher diebimetallistischen Bestrebungen zu begünstigen. So teilte Bismarckin einem Schreiben vom 28. Mai 1885 dem Vorstand derThüringischen Bauernvereine mit:die Frage der Einführungder Doppelwährung unterliegt zur Zeit der Prüfung der zu-ständigen Behörden". Daraus schöpften die Bimetallisten neueHoffnungen. Freilich beschloss der Bundesrat im Juni, denbimetallistischen Petitionen keine Folge zu geben, aber auchdiese Zurückweisung wurde nicht als eine endgiltige angesehenund steigerte nur die agitatorische Thätigkeit der Doppel-währungsleute.

Es ist erstaunlich, dass Bamberger, während der heftigeTageskampf um die Währungsfrage in unverminderter Stärkeweiter tobte, die Müsse fand, sich in das interessante Problemzu vertiefen, welches damals beim Ablauf des lateinischen Münz-vertrages die Münzbundstaaten beschäftigte: in die Frage, wiebei einer eventuellen Lösung des Vertrags die im gemeinsamenUmlauf der Vertragsstaaten befindliche Menge der unterwertigensilbernen Fünffrankenstücke liquidiert werden sollte. Bei demsich über diese Frage entspinnenden Streit waren zwei Punktebesonders interessant: dass von Frankreich und der Schweiz verlangt und auch durchgesetzt wurde, dass jeder Staat diemit seinem Gepräge versehenen Fünffrankenstücke in Gold