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Ihr parlamentarisches Wirken angewiesen und müssen in ersterLinie durch Sie vertreten werden."
Bamberger antwortete am ig. Dezember:
„ . . . Sie haben ganz recht, nur die Notwendigkeit, aufder Bresche der deutschen Münzverfassung zu stehen, hält michim Reichstag zurück. Sonst hätte ich mich schon diesmalnicht mehr wählen lassen. Heute sind es elf Jahre, dass mirmeine Frau in Wiesbaden starb, während ich auf drei Tagevon ihrem Krankenlager mich losgerissen hatte, um in derReichsbank-Kommission die Organisation der Reichsbank zuverteidigen. Dafür bin ich von Dechend und den grossenBankiers seitdem bei jeder Gelegenheit angefeindet worden, unddie Agrarier behaupten, ich arbeite für die Börsenspekulation.Wenn man seinen Lohn nicht in sich fände, so wäre die öffent-liche Thätigkeit in Deutschland wahrlich das Dümmste, wasein Mensch treiben könnte." —
Für den Anfang des Jahres 1886 planten die Bimetallisteneinen grossen Schlag im Reichstag. Die Vorbereitungenfür diese Entscheidungsschlacht wurden mit Hochdruck be-trieben, und die Bimetallisten hofften auf einen durchschlagen-den Sieg.
Da trat eine unerwartete Wendung ein. Sei es, dass Herrvon Kardorff seine Ungeduld nicht zügeln konnte, sei es, dass ervor der in Aussicht genommenen Reichstagsdebatte dem verhasstenFinanzminister v. Scholz noch eine besondere Lektion zu erteilengedachte: am 21. Januar hielt er im Abgeordnetenhaus ohne beson-deren Anlass eine fulminante Währungsrede. Am folgenden Tagerschien der Finanzminister im Hause, um Herrn von Kardorffentgegenzutreten. Er verteidigte mit Lebhaftigkeit die Gold-währung gegen die Kardorffschen Angriffe und erklärte, derrechtzeitige 'Übergang zur Goldwährung gereiche der Reichs-regierung zu hohem Ruhm; mit grosser Schärfe wendete er sichsodann gegen die Aufhetzung der bäuerlichen Bevölkerung gegendie bestehende Währungsverfassung, und er schloss mit denWorten: er habe noch nie einen Entwurf eines bimetallistischenVertrags gesehen, „der von jedem, der sein Vaterland lieb hat,der sein Vaterland nicht verraten will, unterzeichnet werdenkönnte."
Diese Rede wirkte wie ein Blitz aus heiterm Himmel. Zu-